Buchpremiere: »Kirillow«

Lesung: Andreas Maier
Moderation: Ulrich Greiner

Aller guten Dinge sind drei: »Laßt mich eine Fratze malen, eine Fratze mit aufgerissenem Mund!« Mit diesen eigenartigen, mehrfach unterstrichenen Worten endete »Klausen« (2002), der zweite Roman des 1967 in Bad Nauheim geborenen Autors Andreas Maier, der bereits mit seinem hochgelobten Debüt »Wäldchestag« (2000) von sich Reden machte. »Halt! Ich will darüber eine Fratze malen, mit herausgestreckter Zunge.« Mit diesem Zitat aus den »Dämonen« von Dostojewski beginnt sein dritter, erneut tragikomischer Prosastreich im Zeichen des Absurden: »Kirillow« (Suhrkamp 2005). Angesiedelt ist das Buch im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft, Glücksverlangen und Verzweiflungstat, Sinnlichkeit und Sinnsuche, kurz: von Moral und Politik im atomaren Entsorgungszeitalter. Und das alles, wie sollte es anders sein, angesichts des omnipräsenten Sprachmülls und einer medial aufbereiteten Welt, die vernunftwidrig zum Menschentreiben schweigt: »Mein Gott, mein Gott, rief Julian und schaute nun sehr verstört. Wie habe ich eben nur so lachen können.« Kein Zweifel, hier wird der Mythos von Sisyphos fort-geschrieben, und eine kunstvolle Trilogie des allumfassenden Geredes scheint – wenn nicht alles täuscht – bis auf weiteres vollendet.

24.02.05

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Andreas Maier, Ulrich Greiner

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