Studio LCB mit Reinhard Jirgl

Lesung: Reinhard Jirgl
Gesprächspartner: Iris Radisch und Jürgen Verdofsky
Moderation: Denis Scheck

Kein anderer Autor seiner Generation hat so konsequent und mit so hohem ästhetischem Ertrag die Abraumhalden der deutschen Zeitgeschichte durchkämmt wie der 1953 in Berlin geborene Reinhard Jirgl. In Romanen wie »Abschied von den Feinden«, »Hundsnächte« und »Die atlantische Mauer« zog er die Bilanz der Nachwendezeit.

In der DDR arbeitete Jirgl zunächst als Elektroingenieur, dann als Beleuchtungstechniker an der Volksbühne. Als sich die Zensurverantwortlichen der DDR nach jahrelangem Hickhack und nur durch die Fürsprache von renommierten Autoren wie Heiner Müller endlich zu einer Veröffentlichung eines Prosawerks von Jirgl entschlossen, läutete schon das Totenglöcklein für den anderen deutschen Staat. Entsprechend verzögert setzte die Anerkennung dieses Sprachartisten ein.

Seltsamerweise haben sich in der Literaturkritk Epitheta wie »ernst«, »unerbittlich« oder »unbarmherzig« zur Beschreibung der Jirglschen Schreibweise einge-bürgert. Dabei gerät die große Komik dieses Schriftstellers in Vergessenheit. Die sinistre Schönheit des Romanwerks von Reinhard Jirgl speist sich aus dem Schrecken einer das Individuum zermalmenden Geschichte und der souveränen Sprachmacht des Autors. Er liest aus einem noch unveröffentlichten Roman und diskutiert mit den Literaturkritikern Iris Radisch und Jürgen Verdofsky.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: 23.02.2002, 20.05
Sendefrequenzen unter: http://www.dradio.de/dlf/freq/

19.02.02

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Denis Scheck, Iris Radisch, Jürgen Verdofsky, Reinhard Jirgl

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