Schreiben und Übersetzen

Podiumsgespräch mit Olaf Kühl (August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessor im WS 2011/12), Marie Luise Knott (Deutscher Übersetzerfonds) und Jurko Prochasko

Die Grenzen zwischen dem Schreiben und Übersetzen sind fließend. Manchmal scheinen die Gemeinsamkeiten zu überwiegen. Was tut zum Beispiel Elfriede Jelinek, wenn sie Oscar Wilde übersetzt – man könnte meinen, sie schriebe einfach munter weiter. Was andererseits, wenn Hannah Arendt im Exil Englisch schreibt – übersetzt sie sich nicht selbst? Doch selbst wenn man sich weniger Freiheiten zugesteht als diese Autorinnen-Übersetzerinnen – immer ist die Übertragung auch eine Deutung. Nirgends wird das deutlicher als in der amerikanischen Fassung der Werke von Sigmund Freud, die seine Rezeption dort maßgeblich beeinflusste. Interpretierend sind aber auch die Übersetzerinnen Robert Musils ins Italienische am Werk, wie die Feinanalyse der unterschiedlichen Fassungen beweist. Das gilt erst recht für die neunzehn unterschiedlichen Übersetzungen der Gedichte des Chinesen Wang Wei. An diesen und einigen anderen Fallbeispielen hat Olaf Kühl die Titelfrage seines Seminars »Schreibst du noch oder übersetzt du schon?« behandelt, das er als Inhaber der vom Deutschen Übersetzerfonds und der FU Berlin eingerichteten »August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung« am Peter-Szondi-Institut angeboten hat. Mit den Seminarteilnehmern sollen die Streitfragen noch einmal öffentlich ausgetragen, die Höhepunkte rekapituliert werden. Als berufene Gäste werden die Autorin Marie Luise Knott und der Psychoanalytiker und Übersetzer Jurko Prochasko das Gespräch zusätzlich befeuern.

16.02.12

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Jurko Prochasko, Marie Luise Knott, Olaf Kühl

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