Reise ans Ende der Nacht

Célines Roman in neuer Übersetzung

Lesung: Hinrich Schmidt-Henkel

Proust und Céline, die beiden Ausnahmeerscheinungen der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts, werden derzeit neu ins Deutsche übersetzt. Die Rezeption Louis-Ferdinand Célines (1894-1961) in Deutschland stand von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. »Voyage au bout de la nuit«, der Roman, mit dem der Autor 1932 weltweit bekannt wurde, erschien 1938 in einer (jüngst noch lieferbaren!) deutschen Übersetzung, die unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland von den damaligen Herausgebern gekürzt und sprachlich wie politisch entschärft wurde. Sein Debüt stellt ein virtuos komponiertes Destillat seiner Kriegserfahrungen, seiner Aufenthalte in Afrika und in den USA und der Arbeit als Armenarzt am Rande der Gesellschaft dar. Célines Biographie ist voller dunkler Flecken: er schrieb antisemitische Haßtiraden und folgte kurz vor Kriegsende den Kollaborateuren des französischen Vichy-Regimes nach Baden-Baden. Er verlor seine bürgerlichen Ehrenrechte, wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt und erst 1952 wieder rehabilitiert. Hinrich Schmidt-Henkel liest aus seiner Neuübersetzung der »Reise ans Ende der Nacht« (Rowohlt Verlag) und zeichnet Aufstieg und Fall dieses Schriftstellers nach.

17.06.03

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Hinrich Schmidt-Henkel, Louis-Ferdinand Céline

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