Nach allen Regeln der Kunst: »Stilübungen«, neu übersetzt

Ein Raymond Queneau-Abend mit Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel

In einem Pariser Bus der Linie S beschimpft ein junger Mann mit Hut einen älteren Herrn, setzt sich dann auf einen freien Platz und taucht zwei Stunden später an der Gare Saint-Lazare wieder auf, wo ihm einer sagt, sein Überzieher habe einen Knopf zu wenig. Raymond Queneaus »Stilübungen« bilden das Kunststück, diese Alltagsepisode in über hundert Varianten niederzuschreiben – ob als Komödie, Sonett, Haiku, Traum, Amtsschreiben oder Verhör, in Alexandrinern oder Jugendstil, ob kulinarisch, mengenmathematisch, lautmalerisch, weiblich oder reaktionär. Raymond Queneaus populärer Klassiker, 1947 im Original und 1961 in deutscher Übersetzung von Ludwig Harig und Eugen Helmlé erschienen, ist ein fintenreiches erkenntnistheoretisches Sprachspiel und nicht zuletzt eine Anstiftung der sprachlichen und dichterischen Fantasie. Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel, jeder für sich ein meisterhafter Übersetzer amerikanischer, portugiesischer (Heibert), norwegischer, italienischer (Schmidt-Henkel) und eben auch französischer Literatur haben diesem Meisterwerk der »potentiellen Literatur« in ihrer soeben bei Suhrkamp erschienenen Neuübersetzung ein neues sprachliches Gewand gegeben. Ein Premierenabend mit Lesungen und Kommentaren, lustvollem Stöbern im Musterkatalog der Stile.

26.05.16

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel

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