Lloyd Jones: »Geschichte der Stille«

Lloyd Jones liest aus seinem neuen Roman und spricht mit Katharina Döbler

Man braucht nicht Samuel Goldwyn, den sagenumwobenen Hollywoodproduzenten zu zitieren, der einst sagte, gelungene Filme zu machen, sei ganz einfach: man beginnt mit einem Erdbeben, und dann steigert man die Spannung langsam. Naturkatastrophen finden immer wieder in die Kunst und in die Literatur. So wie das Jahrhunderterdbeben von Lissabon im Jahr 1755 Kleist zu seiner Novelle »Das Erdbeben in Chili« anregte, so war das völlig unerwartete Erdbeben im neuseeländischen Christchurch Anlass für Lloyd Jones, seinen Roman »Geschichte der Stille« (dt. von Grete Osterwald) zu schreiben. Die im Titel zitierte Stille beschreibt das Phänomen, dass nach dem Beben eine ganz unwirkliche Ruhe über der Szene der Zerstörung lag. Und diese Stille ist für Jones der Anlass, über sich und seine Herkunft zu reflektieren. So entstand ein sehr poetischer Roman, der die Recherche des Autors über seine Familie nachzeichnet. Die Beschäftigung mit seinen Vorfahren führt ihn nach Wales und behandelt, gleichsam nebenbei, das Großthema der Gegenwart: die Migration – allerdings zu einer Zeit, als die Auswanderer aus Europa kamen. Mit dem Roman ist dem bedeutendsten Erzähler Neuseelands ein großes Buch gelungen, das Familiengeschichte und die Geschichte seines Heimatlandes aufs Beste verknüpft. Lloyd Jones ist noch einige Wochen Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Durch den Abend führt Katharina Döbler, die Veranstaltung findet teilweise auf Englisch statt.

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

19.05.16

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Katharina Döbler, Lloyd Jones

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