Geschichte und Roman (III)

Ursula Krechel und Uwe Timm in Lesung und Gespräch
Moderation: Tobias Lehmkuhl

Seit jeher hat es die Literatur als ihre Aufgabe verstanden, Archiv der vergangenen, der vergehenden Zeit zu sein. Die Stimmen der Toten zu sammeln, ihnen überhaupt eine Stimme zu geben, die Zeugnisse, die in Archiven, die Gräber, die auf Friedhöfen überdauert haben, zum Sprechen zu bringen, ist reizvoll und schwierig zugleich. Zwei wichtige Autoren der Gegenwart haben sich dieser Herausforderung gestellt, zwei Kunstwerke sind entstanden. Ursula Krechel, die in diesem Herbst mit dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet wird, geht in »Shanghai fern von wo« dem Schicksal der achtzehntausend Juden nach, die sich in den dreißiger Jahren aus Deutschland nach Shanghai retten konnten. Das Buch ist ein großes Mosaik, präzise und berührend zugleich. Uwe Timm läßt den Erzähler seines Romans »Halbschatten« bei einem Gang über den Berliner Invalidenfriedhof das Grab der jungen Fliegerin Marga von Etzdorf entdecken, die sich 1933 das Leben nahm. Die Recherchen führen zu einer Geschichte von Liebe und Verrat, die als Collage sich ergänzender, einander aber auch widersprechender Stimmen meisterhaft erzählt wird.

26.08.09

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Tobias Lehmkuhl, Ursula Krechel, Uwe Timm

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