»Der teuffel achtet meinen geyst nicht so fast alls meine sprache und feder ynn der schrifft« – Luthers Sprache und Luthersprache

Eine ganztägige Fortbildung für literarische Übersetzer und andere Interessierte

Vorträge von Christine Ganslmayer und Mechthild Habermann
Moderation: Gabriele Leupold und Eveline Passet

Was der deutschen Sprache »geist und leib genährt, verjüngt, was endlich blüthen neuer poesie getrieben hat, verdanken wir keinem mehr, als Luthern«, schreibt Jacob Grimm 1822. Wie hoch aber war Martin Luthers Anteil am Einigungsprozeß des dialektal äußerst zersplitterten deutschen Sprachraums wirklich? War er radikaler Spracherneuerer oder folgte er nur den Tendenzen seiner Zeit? Ist es Luthers Sprache, die wir lesen, wenn wir bei Klopstock oder Büchner, Thomas Mann oder Brecht »Luthersprache« auszumachen meinen? Zwei Linguistinnen der Universität Erlangen-Nürnberg geben Auskunft. Christine Ganslmayer, u.a. an der aktuellen Durchsicht der sog. Luther-Übersetzung der Bibel beteiligt, ordnet für uns das Sprachschaffen des Reformators in den Kontext des 15. und 16. Jahrhunderts ein und beleuchtet die allmähliche Herausbildung und einige Besonderheiten seines Individualstils. Mechthild Habermann, Inhaberin des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft, geht dem Phänomen »Luthersprache« in der Zeit nach Martin Luther nach und fragt, wie unangetastet sein Bibeltext letzter Hand tatsächlich blieb und wie Luthers Sprache von der Nachwelt rezipiert wurde: Inwiefern galt sie als Stilvorbild? Welchen Einfluss hatte sie auf den späteren sprachreflektorischen Diskurs? Woran lässt sich »Luther-Deutsch« bis heute erkennen? Im Anschluss an die beiden Vorträge besteht wie immer die Möglichkeit zur Teilnahme an zwei parallelen Werkstätten zum Thema.

06.03.13

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Christine Ganslmayer, Eveline Passet, Gabriele Leupold, Mechthild Habermann

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