Buchpremiere »Das deutsche Krokodil«

Lesung: Ijoma Mangold
Moderation: Florian Illies

»Wenn der Junge das Telefon abnimmt, meldet er sich mit seinem vollen Namen. Manche Anrufer, die seine Mutter sprechen wollen, sind belustigt und ahmen ihn nach, als hätte der Junge in kindlicher Selbstverliebtheit etwas gesungen, das ein zärtliches Echo verdient. Wenn er seinen ganzen Namen ausspricht, kommt er auf neun Silben. Sie haben nicht nur Klang, sondern auch Rhythmus. Wie eine Wellenbewegung. Aber das ist nicht der Grund, warum er den Mund so voll nimmt; es ist der Versuch, sein Schicksal abzuschwächen. Sein zweiter Vorname, das ist seine Hoffnung, soll die Exotik seines ersten Vornamens mildern: Ijoma Alexander Mangold.« Mit »Das deutsche Krokodil« (Rowohlt Verlag) hat der Literaturkritiker Ijoma Mangold seine Geschichte geschrieben: In den siebziger Jahren wächst er in Heidelberg auf. Seine Mutter stammt aus Schlesien, sein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich zum Facharzt für Kinderchirurgie ausbilden zu lassen. Weil es so verabredet war, geht er nach kurzer Zeit nach Afrika zurück und gründet dort eine neue Familie. Erst zweiundzwanzig Jahre später meldet er sich wieder und bringt Unruhe in die Verhältnisse. Wie wuchs Ijoma Mangold als »Mischlingskind« und »Mulatte« in der Bundesrepublik auf? Wie geht man mit einem abwesenden Vater um? Und womit fällt man in Deutschland mehr aus dem Rahmen: mit einer dunklen Haut oder mit einer Leidenschaft für Thomas Mann und Richard Wagner?

30.08.17

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Florian Illies, Ijoma Mangold

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