Spr.i.t.Z – Aktuelle Ausgabe
Spritz Nr. 233, März 2020

Sprache im technischen Zeitalter (Spr.i.t.Z.) Nr. 233, März 2020

Editorial

An vier Wochenenden zwischen September und Dezember treffen sich traditionell zehn Schreibende im Literarischen Colloquium, die noch kein eigenes Buch veröffentlicht haben, um mit der Autorin Antje Rávik Strubel und Thorsten Dönges an ihrer Prosa zu arbeiten und sie gemeinsam zu diskutieren. In der Frühjahrsausgabe dieser Zeitschrift werden die Resultate der Werkstatt dann vorgestellt. Die Texte führen uns nach Istanbul, in die Berliner Schwimmbäder und die deutsche Provinz. Sie handeln von der modernen Arbeitswelt und Coming-of-Gender-Strapazen. Wir lesen eine „Anleitung zum Mord an Gott“ und begeben uns auf einen „happy hunting ground“. Aus einer Kindheit und aus einer Karriere wird erzählt. In den Geschichten von Familien und Freundschaften werden die Greuel des letzten Jahrhunderts heraufbeschworen.

Zwischen dem 19. Jahrhundert und unserer Gegenwart bewegt sich Ursula Krechel in ihrer Dankrede anlässlich der Verleihung des Jean-Paul-Preises. Sie hat sich eingehend mit der Poetik des großen Romanschriftstellers beschäftigt und stellt so auch Bezüge zu ihrer eigenen Arbeit her. „Poesie nimmt die Sprache so ernst wie sie ist“, lautet eine ihrer Einsichten über die „Welthaftigkeit“ literarischer Texte. Friedrich Kröhnke schreibt über seine Lektüre eines ganz anderen Klassikers: Franz Werfel. Aus Kindheitserinnerungen und Berichten aus seiner Zeit in Prag baut Kröhnke nicht zuletzt ein Plädoyer, den fast vergessen Werfel-Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh wiederzuentdecken.

In der Kolumne »Auf Tritt Die Poesie« stellt der Heidelberger Literaturkritiker Michael Braun Carla Hegerl vor: Sie hat im letzten Jahr den Open Mike in der Kategorie Lyrik gewonnen. Ihr Studium der Biologie macht sich im dort prämierten Zyklus „Bambi“ bemerkbar, ihr Interesse an der Mystikerin Juana Inés de la Cruz in vier unveröffentlichten Gedichten.

Beim letzten Beitrag dieses Hefts handelt es sich um die Laudatio Christian Dörings auf Thomas Hettche, der mit dem Joseph-Breitbachs-Preis ausgezeichnet wurde. Als langjähriger Lektor des Autors schreibt er nicht nur über das Romanwerk und die Essayistik Hettches, sondern auch über die „kreative Bezüglichkeit“ der beiden.

Inhalt

Ursula Krechel: Kometenerwartungswetter, Gewissheitengeschmetter

Berliner Autorenwerkstatt Prosa 2019

  • Kristin Altmann: Der Gipfel von allem
  • Anke Dörsam: Schwimmbadroman
  • Gertje Graef: happy hunting ground
  • Christian Mitzenmacher: Anleitung zum Mord an Gott
  • Sarah Elena Müller: Die verlorene Tochter
  • Marlen Pelny: Als ich einmal fast berühmt wurde
  • Andrej Schulz: Saturn ohne Ringe
  • Philipp Sommer: Sie nennen ihn auch Atlas
  • Beliban zu Stolberg: Die Strömung des Tigris
  • Harrie Tosch: Eddy und AC

Friedrich Kröhnke: Werfel. Ich und Werfel

Auf Tritt die Poesie

  • Michael Braun: Ich öffne alle Tabs gleichzeitig und sage „Lyrik“ dazu
  • Carla Hegerl: Bambi

Christian Döring: Glück ist Sprache

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