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Spr.i.t.Z – Aktuelle Ausgabe
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Spritz Nr. 236, Dezember 2020
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Spritz Nr. 235, August 2020

Sprache im technischen Zeitalter (Spr.i.t.Z.) Nr. 237, März 2021

Editorial

In diesem Jahr feiert Sprache im technischen Zeitalter ihren 60. Geburtstag. Für eine Literaturzeitschrift ist das ein hohes Alter. Älter im deutschsprachigen Raum sind nur die Neue Rundschau, Sinn und Form sowie die ebenfalls von Walter Höllerer gegründeten Akzente. Ins sechzigste Jahr gehen auch die Grazer manuskripte. Alter allein bedeutet nicht automatisch Qualität, notwendig sind ein Gefühl für das Bewahrenswerte und Wachheit für das Neue. Im besten Fall sind Zeitschriften auch Zeitmitschriften, Archiv für das Gedachte und Gemachte in bestimmten Zeitabschnitten, um das große Wort Epoche zu vermeiden. Sie liegen manchmal seltsam quer zur Zeit und sind einerseits, hierin besteht die Herausforderung, flexibler, schneller und in der Auswahl großzügiger als der Buchmarkt und andererseits gelassener, weniger auf Sensation und Konflikt ausgerichtet als das Feuilleton der Tages- und Wochenzeitungen. Sie bieten Platz für Gattungen, die sich schwer vermarkten lassen. Wir jedenfalls machen weiter, so lange es irgend geht.

Im Zentrum jedes Frühlingshefts steht die Berliner Autorenwerkstatt, bei der sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller ohne bisherige Buchveröffentlichung treffen, um über ihre Texte zu diskutieren. Thorsten Dönges vom LCB und die Autorin Julia Franck, die zu den Texten Einleitungen verfasst hat, haben die  Werkstatt geleitet. Ein Romanauszug führt uns in ein Resozialisierungscamp, in dem Menschen nach einer Apokalypse abgerichtet werden, eine Prosa führt ins queere Nachtleben mit den Versprechen und Verletzungen, die es bereithält. Familiäre Konflikte, das Schweigen zwischen Menschen, die sich freiwillig oder unfreiwillig nahestehen, sind oft Thema. Ein junger Vater vietnamesischer Herkunft schreibt von einer Berliner Plattensiedlung aus Briefe an seine Mutter, einem Geschwisterpaar in Alpennähe erscheinen die Eltern als eine fremde Gottheit. Körperlichkeit kommt zur Sprache, das Aufwachsen zwischen Kontinenten und Kulturen spielt in mehreren Texten eine Rolle. Politische Dimensionen eröffnen sich, wenn an die Grenze der Selbstbestimmbarkeit der eigenen Identität geschrieben wird. Im Anschluss stellen wir Texte und eine Bild-Text-Collage der mexikanischen Autorinnen Verónica Gerber Bicecci, Fernanda Melchor, Guadalupe Nettel und Isabel Zapata vor, die am Projekt „Literatur von See zu See“ teilnahmen. Dieser Schriftstellerinnen-Austausch mit Inger-Maria Mahlke, Mithu Sanyal, Juliana Kálnay und Isabelle Lehn auf deutscher Seite fand im November 2020 online statt. Michael Braun erinnert in Auf Tritte Die Poesie an den 2019 verstorbenen Peter Hamm. Holger Pils gratuliert Dagmar Nick zum 95. Geburtstag, aus deren Spätwerk wir einige Gedichte abdrucken.

Herausgeber und Redaktion

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