Von der Weltliteratur zur Global Literature

Yiyun Li in Lesung und Gespräch
Moderation: Sigrid Löffler

Noch kaum bemerkt und gewürdigt, doch mit Nachdruck und ungeheurer Dynamik vollzieht sich neuerdings ein Umbruch in der Bücherwelt: von der Weltliteratur zur Global Literature. Es handelt sich hierbei um eine Literatur im Transit ohne festen Wohnsitz, geschrieben von Migranten aus Weltgegenden, deren Literaturen uns bislang oft verborgen blieben – meist Krisen- und Bürgerkriegsregionen wie Äthiopien, Pakistan, Libanon oder Somalia. In unserer Veranstaltungsreihe stellt die Literaturkritikerin Sigrid Löffler die bemerkenswertesten »Weltensammler« und ihre Bücher vor. In ihrem Roman »Die Sterblichen« (aus dem Englischen von Anette Grube, Hanser Verlag) montiert die aus China stammende Autorin Yiyun Li die Stimmen verschiedener Bewohner der chinesischen Provinzstadt Hun Jiang zu einem eindrucksvollen Requiem für die Opfer der Post-Mao-Ära. Die Geschichte beginnt im Frühling des Jahres 1979, in einer Zeit, in der die Schreckensjahre der Kulturrevolution zwar vorüber sind, doch die Allmacht und Willkür des Staatsapparates weiterhin ungebrochen zu sein scheint. Die grauenvolle Hinrichtung der Dissidentin Gu Shan steht am Anfang dieses düsteren und hoffungslosen Panoramas einer Gesellschaft, in der Mitmenschlichkeit bestraft wird und absolute Unterordnung als Überlebensmaxime gilt. Yiyun Li wurde 1972 in Peking geboren und zog 1996 zur Weiterführung ihres Biologiestudiums in die USA. Wenige Jahre später fand sie dort zu ihrer eigentlichen Berufung, dem Schreiben, und wurde bereits für ihre erste Veröffentlichung, der 2005 erschienenen Geschichtensammlung »A Thousand Years of Good Prayers«, mit zahlreichen Preisen wie dem PEN/Hemingway Award und dem California Book Award geehrt. Heute lebt Yiyun Li in Oakland/Kalifornien und lehrt Kreatives Schreiben an der University of California. »Die Sterblichen« ist ihr erster Roman.

20.04.10

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Sigrid Löffler, Yiyun Li

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