Monageng Motshabi
Dalia Taha
Yildiz Çakar
Laura Uribe

Out of Sight. Filmische Lesungen  

Mit Texten von Yıldız Çakar, Laura Uribe, Dalia Taha und Monageng Vice Motshabi und Visuals von Ayşe Gülsüm Özel

Autoritäre Systeme bringen Menschen zum Verschwinden, sperren sie weg und verwischen ihre Spuren. Doch nicht nur Gewaltherrschaft tilgt die Vielfalt gesellschaftlicher Wirklichkeiten und Visionen. Auch in demokratischen Gesellschaften werden Menschen unterdrückt und unsichtbar gemacht. Für das internationale Dramatiker·innenlabor »Out of Sight« haben das Literarische Colloquium Berlin, das Maxim Gorki Theater, das Neue Institut für Dramatisches Schreiben, die Robert Bosch Stiftung und das Schauspiel Stuttgart Yıldız Çakar (Berlin), Laura Uribe (Mexiko-Stadt), Dalia Taha (Ramallah) und Monageng Vice Motshabi (Johannesburg) eingeladen, sich über Sprach- und Ländergrenzen hinweg mit dem Themenkomplex des Verschwindens zu befassen. Entstanden sind unter der Werkstattleitung von Maxi Obexer und Mazlum Nergiz vier Theatertexte, die nun via Video von den Heimatorten der internationalen Regieteams als jeweils halbstündige filmische Lesungen zum ersten Mal auf die Leinwand des Maxim Gorki Theaters gebracht werden. Ein hybrides Experiment zwischen Theater und Film, verknüpft durch Visuals von Ayşe Gülsüm Özel.

»Bîra Miriyan« von Yıldız Çakar, inszeniert von Basar Murkus in Haifa

Der kurdische Text BÎRA MIRIYAN (Totenbrunnen) von YILDIZ ÇAKAR folgt verschiedenen Müttern auf der Suche nach den Gebeinen ihrer verschwundenen Söhne durch die totalitäre Staatsbürokratie der modernen Türkei. Bashar Murkus hat mit seinem Ensemble des palästinensischen Khashabi Theaters für die filmische Lesung eine der Geschichten ausgewählt und in rasantem Tempo in Haifa inszeniert.

»On Noah’s Blood-Stained Rainbow, We Dance« von Monageng ›Vice‹ Motshabi, inszeniert vom Kollektiv LABEL NOIR in Berlin

ON NOAH’S BLOODSTAINED RAINBOW, WE DANCE. (Auf Noahs blutigem Regenbogen tanzen wir.) von MONAGENG »VICE« MOTSHABI setzt sich mit einem Justizsystem auseinander, das auf kolonialem Erbe beruht. Ein post-Mandela Plot, den das Kollektiv Labor Noir in der Regie von Lara-Sophie Milagro teilweise in Berlin verfilmt hat und in dem viele Anknüpfungen an die deutsche postkoloniale Geschichte aufscheinen.

»Campo« von Laura Uribe, inszeniert von Anestis Azas in Athen

CAMPO (Feld) von der mexikanischen Autorin Laura Uribe wird in einem Desktop-Format-Video von Anestis Azas in Athen inszeniert. Das dokumentarische Stück fragt danach, was ein Acker in einem Land ist, in dem unter der Erde nach Massengräbern gesucht wird, in der Hoffnung, die Körper verschwundener Familienangehöriger zu finden.

»Graduation« von Dalia Taha, inszeniert von Laura Uribe in Mexiko-Stadt

In GRADUATION (Abitur) von Dalia Taha steht ein Mädchen, das in einer palästinensischen Stadt unter israelischer Kontrolle aufgewachsen ist, am Beginn ihrer Adoleszenz. Sie erfährt harte Wahrheiten über sich und die Geschichte ihrer Familie. Laura Uribe inszeniert eine filmische Lesung demonstrativ mit drei vermummten Frauen auf einer Straße in Mexiko-Stadt.

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