Weltensammler

Literatur im Transit

Aleksandar Hemon (Chicago) in Lesung und Gespräch
Moderation: Sigrid Löffler

Noch kaum bemerkt und gewürdigt, doch mit Nachdruck und ungeheurer Dynamik vollzieht sich neuerdings ein Umbruch in der Bücherwelt: von der Weltliteratur zur Global Literature. Es handelt sich hierbei um eine Literatur im Transit ohne festen Wohnsitz, geschrieben von Migranten aus oft literaturfernen Weltgegenden – meist Krisen- und Bürgerkriegsregionen wie Äthiopien, Pakistan, Libanon oder Somalia. Sigrid Löffler stellt die bemerkenswertesten »Weltensammler« im LCB vor. In seinem international gefeierten Roman »Lazarus« (Knaus Verlag) erzählt Aleksandar Hemon die Geschichte des jüdischen Einwanderers Lazarus Averbuch, der irrtümlich für einen Anarchisten gehalten und im März 1908 vom Chicagoer Polizeipräsidenten erschossen wird. Auf den Spuren dieser wahren Geschichte schickt Hemon sein Alter Ego, den bosnisch-amerikanischen Schriftsteller Vladimir Brik, und dessen Freund, den Fotografen Rora, auf eine Recherche-Reise durch Osteuropa. Im steten Wechsel dieser beiden Erzählstränge offenbaren sich nicht nur zahlreiche Parallelen zwischen dem heutigen und dem damaligen Amerika, es wird auch deutlich, dass sich an dem Außenseiter-Schicksal der Emigranten im Laufe eines ganzen Jahrhunderts nicht allzu viel geändert hat. Aleksandar Hemon wurde 1964 in Sarajevo geboren. 1992 reiste er im Rahmen eines Kulturaustauschs als Stipendiat in die USA. Dort erfuhr er kurze Zeit später von dem Ausbruch des Krieges in seiner Heimat und beschloss, in Chicago zu bleiben. »Lazarus« ist sein zweiter Roman, der unter anderem für den National Book Award nominiert war. Sein neuer Erzählungsband »Liebe und Hindernisse« wird im Mai 2010 in der deutschen Übersetzung erscheinen.

18.02.10

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Aleksandar Hemon, Sigrid Löffler

Teilen

360