» …von säkularen Ausmaßen« – NS-Deutsch als Beispiel totalitären Sprachgebrauchs

Eine ganztägige und sprachübergreifende Fortbildung für literarische Übersetzer und Interessierte

Leitung: Gabriele Leupold und Eveline Passet

Gibt es eine spezifisch totalitäre Sprache? Wodurch zeichnet sie sich aus? Durch einen eigenen Wortschatz, gewiß. Doch was charakterisiert diesen Wortschatz jenseits bestimmter ideologisch besetzter Begriffe? Gibt es Wortbildungsmuster, die als typisch totalitär eingestuft werden können, etwa vielgliedrige Komposita oder Abkürzungswörter? Und wie steht es mit einer spezifisch totalitären Stilistik? Bevorzugt sie bestimmte rhetorische Figuren, Wortgruppen, Satzbauweisen, z.B. Nominalstil oder Superlativ? In seinem Vortrag »Ideologie und Sprache – Verbalstrategien in der NS-Propaganda« wird Christian A. Braun, Verfasser einer maßgebenden Arbeit zum nationalsozialistischen Sprachstil, Charakteristika des NS-Stils aufzeigen und dabei auch die Frage diskutieren, wie ideologische Weltkonstruktion und Sprachgebrauch ineinandergreifen. Renate Birkenhauer, die zur Zeit ihr in den 1980er Jahren auf Anregung von Übersetzern entstandenes »Wörterbuch NS-Deutsch« grundlegend überarbeitet, wird in ihrem gleichnamigen Vortrag ebenso über menschenverachtende sprachliche Stereotypen und Mechanismen der Wortbildung sprechen wie über Formen der »lagerszpracha« , jener deutschbasierten Lingua franca unter den nicht-deutschen KZ-Häftlingen, die in frühen Übersetzungen von Lagerliteratur wiederholt als fehlerhaftes Deutsch wegkorrigiert wurde. In den anschließenden Übungen soll der Blick über die NS-Sprache hinaus auf übersetzungsspezifische Fragen gelenkt werden, wie sie sich beim Übertragen fremdsprachiger Literatur stellen, die von totalitären Regimes handelt und deren Sprache auf die eine oder andere Weise abbildet.

15.10.10

Freitag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Eveline Passet, Gabriele Leupold

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