Studio LCB mit Walter Kempowski

Lesung: Walter Kempowski
Gesprächspartner: Martin Ebel und Volker Hage
Moderation: Maike Albath

Der Schriftsteller Walter Kempowski ist ein Archivar deutscher Zeitgeschichte. Eine untergegangene Welt festzuhalten und literarisch zu verdichten, war der erste Anstoß seiner neunbändigen »Deutschen Chronik«. Kempowski, 1929 in Rostock geboren, erlebte die Nazizeit in einer großbürgerlichen Familie, die blind für die politischen Umstände blieb. Als 19-jähriger wurde er 1948 von einem russischen Militärtribunal zu 25 Jahren Haft verurteilt. Nacht acht Jahren Zuchthaus in Bautzen erfolgte 1956 eine Amnestie. Kempowski siedelte in den Westen über, wo er Grundschullehrer wurde.

Den Ausgangspunkt seiner literarischen Arbeit bildet die Recherche: der Autor sammelte Befragungen von Zeitzeugen, Tonbänder, Briefe, Fotografien und Tagebücher. Aus den Realien im Zettelkasten, verwoben mit autobiographischen Erfahrungen entstand die Chronik einer deutschen Familie. Zeit- und Sozialgeschichte fließen ineinander, aus privaten Sprachmustern, historischen Tatsachen, individuellen und kollektiven Verwicklungen ergibt sich ein facettenreiches Bild des vergangenen Jahrhunderts zwischen Kaiserzeit und Wirtschaftswunder. Nach seinem Debüt »Im Block« (1969) über die Haftzeit in Bautzen gelang Kempowski 1971 mit »Tadellöser & Wolff« der Durchbruch als Schriftsteller. Es folgten die Bände »Uns geht’s ja noch gold« (1972) und »Aus großer Zeit« (1978), die auch durch die Verfilmungen von Eberhard Fechner berühmt wurden.

Seine Montagetechnik perfektionierte Kempowski im »Echolot«, einem kollektiven Kriegstagebuch, das inzwischen auf elf Bände angewachsen ist und die Jahre 1941, 1942 und 1945 behandelt – Collagen aus Soldatenbriefen, Aufzeichnungen von Zivilisten und Beobachtungen von Künstlern. Das monumentale Werk soll den »Krebsgang der Menschheit« auf eine Formel bringen. Der Autor tritt hierbei zurück und wird zur registrierenden Instanz. Mit Walter Kempowski diskutieren die Literaturredakteure Martin Ebel (Tages-Anzeiger, Zürich) und Volker Hage (Der Spiegel, Hamburg).

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Deutschlandfunk.
Sendetermin: 26.10.2002, 20.05
Sendefrequenzen unter: http://www.dradio.de/dlf/freq/

22.10.02

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Maike Albath, Martin Ebel, Volker Hage, Walter Kempowski

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