Studio LCB mit Prinz Asfa-Wossen Asserate

Lesung: Prinz Asfa-Wossen Asserate (Äthiopien)
Gesprächspartner: Martin Mosebach und Katharina Rutschky
Moderation: Denis Scheck

Manieren hat jeder, viele allerdings glauben, sie besäßen die falschen. Deshalb haben Benimmbücher zur Zeit enorme Konjunktur. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des äthiopischen Kaisers Haile Selaisse und heute als Unternehmensberater tätig, will sich mit seinem Buch »Manieren« (Eichborn, Die andere Bibliothek) nicht an diesem Etikette-Schwindel beteiligen. Er stellt weder Regeln auf noch liefert er ein Handbuch für Sozialaufsteiger. In seinem Essay geht es um die genaue Beschreibung der Manieren als diskursfähigem Teil der Moral. Manieren sind aristokratisch, unsere Gesellschaft will aber demokratisch sein. Verstoßen gute Manieren deshalb gegen den egalitären Zug unserer Zeit? »Ein Gespenst geht um in der klassenlosen Gesellschaft Deutschlands – die Angst, für kleinbürgerlich oder spießig gehalten zu werden. Alles, nur das nicht«, schreibt Prinz Asserate und holt aus zu einem Lob des Spießers. Selten hat ein Autor seine Sache so radikal auf sich selbst, seine Beobachtungskraft und Analysefähigkeit gestellt. Das führt zu verblüffenden Erkenntnissen: »Politische Systeme bestimmen das Schicksal der Massen, nicht der Reichen. Ohne die Erde verlassen zu müssen, leben sie schon jetzt wie auf einem anderen Stern.« Prinz Asserate liest aus »Manieren«, über arm und reich, Manieren als »Menschwerdungsakte« und den Unterschied zwischen Herren und Männern, Damen und Frauen. Gesprächspartner sind die Publizistin Katharina Rutschky und der Schriftsteller Martin Mosebach.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk Köln.
Sendetermin: 27.10.2003, 20.05 Uhr.
Sendefrequenzen unter: http://www.dradio.de/dlf/freq/

22.10.03

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Denis Scheck, Katharina Rutschky, Martin Mosebach, Prinz Asfa-Wossen Asserate

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