Seiten eines Autors: Onetti

Ein Lese-Gespräch mit Marcel Beyer, Svenja Becker und Jürgen Dormagen

Die Bedeutung des lateinamerikanischen Autors Juan Carlos Onetti (1909 – 1994) wird nicht bestritten, (ein beliebter Fernsehkritiker freilich entdeckte im Werk »mediokerste Pennälerprosa«), aber zugleich raunen manche Rezensenten hierzulande von »düsterer Prosa«; es heißt, in seinen Romanen und Erzählungen herrsche ein zynischer, kalter Blick auf die Menschenwelt und insbesondere auf Frauen, sein Stil sei »schwierig«. So gilt Onetti, den Durs Grünbein »den großen monolithischen Meister des 20. Jahrhunderts neben Faulkner und Kafka« nannte, außerhalb der spanischsprachigen Welt immer noch als Geheimtipp. Auffällig ist, wie viele Schriftsteller ihn bewundern und immer wieder neu lesen. Liegt es daran, dass der Erzähler Onetti Satz für Satz gelesen werden will? Dann nämlich können die Seiten seiner Romane und Erzählungen ihre Energie ausstrahlen, wird die Lektüre zu einer Befreiung. Was der Autor tut und was beim Lesen seiner Texte geschieht, wollen die Übersetzerin Svenja Becker, der Übersetzer und Onetti-Herausgeber Jürgen Dormagen und der Autor und Onetti-Leser Marcel Beyer in einem sommerlichen Lese-Gespräch ergründen. Anlass ist der Abschluss der fünfbändigen Werkausgabe im Suhrkamp Verlag, die mit den unlängst erschienenen »Sämtlichen Erzählungen« eine Vielzahl in deutscher Übersetzung noch unpublizierter Texte zugänglich macht. Für die Werkausgabe wurden Übersetzungen aus den siebziger und achtziger Jahren (zum Teil sehr stark) überarbeitet. Eine Einladung zum (Wieder-) Lesen!

02.08.16

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Jürgen Dormagen, Marcel Beyer, Svenja Becker

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