Macht, Gewalt, Erinnerung (IV)

Lukas Bärfuss »Hundert Tage«

Lesung: Lukas Bärfuss
Moderation: Jörg Magenau

Nach intensiven Recherchen in Afrika legt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss, bislang vor allem für seine Theaterstücke bekannt, in diesem Frühjahr seinen ersten Roman vor – für nicht wenige wohlmeinende Bewohner der sogenannten ersten Welt eine Provokation: »Hundert Tage« ist ein hartes Buch, das seine Leser zu den Schauplätzen einer der größten humanitären Katastrophen der letzten Jahrzehnte mitnimmt. Im April 1994 wüten in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, die Todesschwadronen. Der junge Schweizer Entwicklungshelfer David Hohl hat beschlossen, sich aus Liebe und Trotz nicht mit den anderen Europäern aus dem Land evakuieren zu lassen, und so verbringt er hundert Tage inmitten der Katastrophe, in die er sich unweigerlich verstrickt. In starken Bildern und lange nachwirkenden Szenen erzählt der Roman, wie sehr wir Europäer an diesem Geschehen beteiligt sind, das sich doch nur scheinbar so weit von uns entfernt abspielt. Im moralischen Dilemma und Versagen Hohls spiegelt sich unser aller Tun und Lassen, und dass Lukas Bärfuss dafür eine literarische Sprache gefunden hat, ist das große Wunder dieses Romans.

06.05.08

Dienstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Jörg Magenau, Lukas Bärfuss

Teilen

360