Kurizyn-Weekly

Wjatscheslaw Kurizyn im Gespräch mit Rosemarie Tietze

»Mein Erfolg – und auch mein Problem – besteht darin, daß ich in meiner Literaturkarriere absolut exklusiv bin. Ich kann in einer Zeitschrift oder Zeitung eine absolut debile Kolumne haben, das heißt, ich schreibe Texte, die kein normaler Journalist schreibt, die zu schreiben keinem sonst erlaubt wird. Die Ideologie der jeweiligen Redaktion ist dabei: Wir führen euch ein Kamel vor. Einen Elefanten. Eine seltene Schlange. Also eine merkwürdige Art schriftstellerischer Äußerung. Als Autor bin ich Spezialist für Merkwürdigkeiten. Ich verdiene mein Geld wie im Zirkus der Mißgeburten: der Drei-Meter-Mann, die Frau mit Schwanz usw. Ich bin ein Freak. Ich sichere meine Existenz, indem ich mich vorführen lasse, indem ich mache, was sonst niemand macht«.

Wjatscheslaw Kurizyn heißt der russische Exot, der sich im Interview so selbstbewußt und nicht ohne Koketterie vorstellt. Als Workaholic mit genialischem Einfallsreichtum hatte sich der heute fünfunddreißigjährige Literaturkritiker aus Sibirien vor wenigen Jahren den Moskauer Blätterwald erobert. Mittlerweile ist er auch zur Kultfigur des russischen literarischen Internets geworden. »Kurizyn-Weekly« nennt sich die Seite, auf der er sich wöchentlich austobt; der seriösere Titel: »Zeitgenössische russische Literatur mit Wjatscheslaw Kurizyn«. Rosemarie Tietze stellt die neue Schlüsselfigur der Moskauer Literaturszene vor.

In Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen und mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Preußische Seehandlung.

Surftipps für Neugierige: www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-medien/54.html und www.guelman.ru

17.01.02

Donnerstag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Rosemarie Tietze, Wjatscheslaw Kurizyn

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