Debütanten: Julia Blesken und Patrick Hofmann

Moderation: Dieter Stolz

Zwei beachtliche Romandebüts, die beide auf originelle Weise in die ostdeutsche Provinz der Wendezeit führen, stellen wir heute vor: Julia Blesken erzählt in »Ich bin ein Rudel Wölfe« (Jung und Jung) die Geschichte von Re, einer jungen Frau, die nach dem Mauerfall den Hof ihrer Familie, den geliebten Bruder und die Enge des Dorfes in Sachsen-Anhalt verlässt. Der erhoffte Neubeginn in Berlin misslingt; der Gegenwart entrückt, verliert sich Re in Erinnerungsbildern und bereitet ihre Rückkehr aufs Land vor. Bleskens stupendes Sprach- und Rhythmusgefühl, so das Lob in der »Welt«, verwandelt dieses schwerelose Romandebüt fast in eine Art Prosagedicht. Die Autorin, 1976 im Westen Berlins geboren, nahm 2005 an der Autorenwerkstatt des LCB teil und wurde 2009 mit dem Hermann-Lenz-Stipendium ausgezeichnet.

Auch beim 1971 im sächsischen Borna geborenen Patrick Hofmann steht ein Hof im Zentrum des Geschehens. In seinem Roman »Die letzte Sau« (Schöffling & Co.) muss das Dorf Muckau den näher rückenden Braunkohlebaggern weichen. Vor der Umsiedlung der alten Schlegels vom Bauernhof in ein Reihenhaus kommt die ganze Familie nochmal zusammen, um dem Schlachten des letzten Schweins beizuwohnen. Dabei sorgt das resolute Auftreten der attraktiven Schlachterin Diana Kampradt für Verwirrung und Konfliktstoff unter den Familienmitgliedern. Hofmann verbindet krude Szenen, geistesgeschichtliche Exkurse und komische Elemente zu einem polyphonen Portrait familiärer und gesellschaftlicher Auflösungsprozesse. Der Autor studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte, promovierte mit einer Arbeit über Edmund Husserl und lebte einige Jahre in Griechenland. »Die letzte Sau« wurde mit dem Robert-Walser-Preis 2010 ausgezeichnet. Die Veranstaltung im Münzsalon moderiert der Literaturwissenschaftler und Lektor Dieter Stolz.

22.04.10

Donnerstag

Ort

Münzsalon · Münzstraße 23 · Berlin-Mitte

Teilnehmer•innen

Dieter Stolz, Julia Blesken, Patrick Hofmann

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