Ach zum Teufel die Bilanzen!

Verleger im Gespräch

Klaus Wagenbach im Gespräch mit dem Literaturkritiker Martin Lüdke

Mit dem Tod Siegfried Unselds ist eine Epoche zu Ende gegangen. Auch in Verlagen, deren Namen für ein Programm standen, Rowohlt, S. Fischer, Piper, ist eine neue Generation jetzt an der Reihe. Sie sind nicht mehr Eigentümer eines eigenen Unternehmens, sondern Konzernangestellte, bestensfalls Geschäftsführer der Anteilseigner. Die Arbeit in den Verlagen hat sich unter den Bedingungen der Marketing-Gesellschaft verändert. Denn Verleger sind nicht zuletzt Agenten des Zeitgeistes. Sie sind immer auch Opportunisten, die dem Publikum liefern, was es lesen will. Zuweilen sicher auch Missionare, die das Publikum bedrängen, das zu lesen, was es lesen soll. Der gute Verleger zeichnet sich vielleicht dadurch aus, dass er in diesem Widerspruch laviert. Der Kompromiss wird betriebswirtschaftlich als Mischkalkulation bezeichnet. Die Gefahr, dabei das Profil zu verlieren, ist offensichtlich groß. Doch es gibt noch Ausnahmen: Verleger, die ein Programm machen, auch wenn ihnen der Laden nicht gehört. Die wissen, was sie wollen, was wir lesen sollen und die offen von Rendite reden, weil sie heimlich denken, »Ach, zum Teufel die Bilanzen« (Ledig-Rowohlt). In unserer wiederaufgenommenen Reihe spricht Martin Lüdke mit Klaus Wagenbach, dessen Verlag in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert.

In Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk.

28.04.04

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Klaus Wagenbach, Martin Lüdke

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