ʺDas Phantom des Alexander Wolfʺ

Über Gaito Gasdanow

Lesung und Gespräch mit der Übersetzerin Rosemarie Tietze
Moderation: Jens Bisky

Die Rezensenten rieben sich verwundert die Augen: Wie konnte ein Schriftsteller dieses Ranges in Deutschland so lange unbemerkt bleiben? Mehr als vierzig Jahre nach seinem Tod wird ein russischer Autor von Weltformat für die deutschen Leser entdeckt. Gaito Gasdanow ist sein Name, er lebte von 1903 bis 1971, ab 1920 als Exilant vor allem in Paris, zuletzt als Redakteur von Radio Free Europe in München. Auslöser der Begeisterung ist der Roman »Das Phantom des Alexander Wolf« aus dem Jahr 1947, der unlängst in Rosemarie Tietzes deutscher Übersetzung im Hanser Verlag erschienen ist.

Gasdanow erzählt die Geschichte eines im Pariser Exil lebenden russischen Journalisten in den dreißiger Jahren, der immer wieder von Erinnerungen an einen aus Notwehr begangenen Mord an einem Soldaten im russischen Bürgerkrieg heimgesucht wird. Als ihm Jahre später das Buch eines gewissen Alexander Wolf in die Hände fällt, muss Gasdanows Protagonist feststellen, dass sein vermeintliches Opfer wohl überlebt hat, und dass beider Leben auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden ist. Die Begegnung mit diesem Phantom wird als brillant erzählter Spannungsbogen, als »metaphysischer Thriller« (SZ) dargeboten, unsentimental und doch warmherzig, mit »bewundernswertem Gespür für die menschliche Seele« (ZEIT). Selten hat man »eine derart elegante, tiefgründige und tröstende Geschichte über die Macht und Formbarkeit von Erinnerungen gelesen« (FAZ). Rosemarie Tietze, die diesen Autor mit Eleganz und Verve ins Deutsche gebracht hat (und weitere Bücher Gasdanows übersetzen wird), liest, kommentiert und spricht mit Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung) über das Phantom des Gaito Gasdanow.

16.01.13

Mittwoch

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Jens Bisky, Rosemarie Tietze

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