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Freundschaft

Isabel Bogdan

Freundschaft

An der Uni habe ich gelernt: Immer erstmal definieren. Was ist das, Freundschaft? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Wo sind die Grenzen zur Bekanntschaft und zur Liebe? Ich komme sehr schnell zu dem Schluss: Es geht nicht. Die Grenzen sind fließend, Freundschaft bedeutet für jeden etwas anderes, und jede Freundschaft ist anders.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen andere Menschen um uns herum, wir tauschen uns aus, wir brauchen soziale Interaktion und Körperkontakt. Schon das alte Testament wusste: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, und in der Pandemie haben wir es alle deutlich gespürt.

Aber wie kann es gehen? Mit Liebe. Jede Freundschaft ist auch eine Form der Liebe. Und umgekehrt: Eine Liebe ohne Freundschaft wird nicht lange halten (vielleicht ist das auch eine steile These). Mit Liebe also, mit Empathie und mit ganz viel Verzeihen. Und manchmal am besten mit etwas Abstand. Vor allem gilt für Liebe, Freundschaft und allgemein für Freundlichkeit: Geben, geben, geben! Irgendwann kommt es zurück. Vielleicht nicht immer in der erhoffen Intensität aus der erhofften Richtung. Natürlich wünscht man sich eine ausgeglichene Beziehung, darf aber keine Erwartungen haben. Womit wir wieder beim Verzeihen wären. Man muss erstmal in den Wald hineinrufen; was dann zurückkommt, bleibt abzuwarten. Und man kann die Ohren aufsperren, wer womöglich in den eigenen Wald ruft.

Für die Literatur sind Beziehungen zwischen Menschen eigentlich der einzige, große Stoff, auf den am Ende alles hinausläuft. Wie soll ich da in 1500 Zeichen drüber schreiben?

 


 

Woraus besteht die Gegenwartsliteratur? Unsere Reihe im Rahmen von »Neustart Kultur« fragt: Woraus ist die deutschsprachige Gegenwartsliteratur gemacht, aus welchen Materialien, Gegenständen und Ideen besteht sie, aus welchen Stoffen gewinnen Texte heute ihre Kraft? Mehr Infos zur Veranstaltungsreihe hier.

Dieser ›Stoff‹ ist Teil von »Stoffe: Freundschaft«.

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