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Und seitab liegt die Stadt

Und seitab liegt die Stadt 2021

Ein reiches kulturelles Leben ist für die Attraktivität des ländlichen Raums von großer Bedeutung. »Und seitab liegt die Stadt« ist ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Literarischen Colloquiums Berlin und fördert bundesweit literaturbezogene Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Orten mit weniger als 20.000 Einwohner·innen.

Zum zweiten Mal wurde im vergangenen Herbst das Programm »Und seitab liegt die Stadt« ausgeschrieben. Das Jahresthema für 2021 lautet ›Landschaft‹. Literatur macht Landschaft zur Kulisse, zum Ort der Handlung oder sogar zu ihrem Protagonisten. Auch als Metapher tritt sie auf, etwa in Form von geistigen Landschaften oder Traumlandschaften. Erinnerungsorte formen Geschichtsbilder und erschließen Wege zu offenen oder vernarbten Wunden. Landschaften prägen die Menschen und werden von Menschen geprägt. Seit jeher sind sie Projektionsflächen des Denkens und des Fühlens. 69 Veranstaltungsideen zum Thema ›Landschaft‹ sind für die zu vergebenden Fördergelder von 200.000 € aus dem ganzen Bundesgebiet bei uns eingegangen, die Jury wählte 40 Projekte davon aus.

Geförderte Projekte

– 2021 –

Ortsgemeinde Abentheuer

Abent(h)euer Literatur

Abentheuer ist eine kleine Gemeinde in Rheinland-Pfalz und liegt umgeben von Wäldern im wildromantischen Trauntal, im jüngsten Nationalpark Deutschlands, dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Durch die historische Eisenhütte begegnen sich hier Industriegeschichte und Naturschutz, Zeitzeugen der Kelten und Römer beflügeln die Fantasie ebenso wie Wanderungen durch die Felsen, Täler und Wälder und lockte 2017 auch den Autor Norman Liebold hierher, wo er bereits zwei Romane und Geschichten ansiedelte und Kulturprojekte etabliert.

Die Ortsgemeinde Abentheuer, vertreten durch die Ortsbürgermeisterin Andrea Thiel, lädt mit Unterstützung der heimischen Wirtschaft und der ortsansässigen Vereine und Gruppierungen zum »Abent(h)euer Literatur« ein. Die Veranstaltungsreihe greift die breite Palette erzählender Literatur von bekannten Bestsellerautor·innen wie Thomas Finn (Hamburg) und Markus Heitz (Saarland) über Autor·innen ungewöhnlicher Literatursparten (Steampunk im Kontext des Industriedenkmals Eisenhütte) bis hin zu Nachwuchsautor·innen auf und bringt das »Abent(h)euer Literatur« dem ländlichen Publikum näher. Dazu gehört ein Literaturwettbewerb zum Thema »Heimat« sowie eine Schreibwerkstatt, die im Rahmen des Projektes »Phantastischer Hunsrück« zu einer Anthologie mit Geschichten u. a. der auftretenden Autor·innen und den Gewinner·innen des Literaturwettbewerbs führt, bei der auch Schulen beteiligt werden. Die geladenen Autor·innen garantieren neben dem Schwerpunkt, dem Leben im ländlichen Raum, nicht zuletzt einen fesselnden, lebendigen Vortrag mit Überraschungen sowie szenische Einlagen. Zu den Veranstaltungen wird es ein musikalisches Begleitprogramm durch ansässige Musiker·innen und in einigen Fällen die Präsentation bildender Kunst sowie weitere fesselnde Aktionen geben. Autor Norman Liebold, studierter Literaturwissenschaftler, führt dabei durch die Veranstaltungen, moderiert die anschließenden Diskussionen und schließt die Reihe mit seinen in der Region spielenden Werken.

www.abentheuer.de

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© Wolfgang Herfurth

Uckermärkische Literaturgesellschaft e.V., Angermünde

Schreiben. Lesen. Hören.

Die Uckermärkische Literaturgesellschaft wurde am 4. Februar 1993 im Ehm Welk-Literaturmuseum in der Puschkinallee 10 in Angermünde gegründet und hat ihren Sitz im Museum Angermünde im Haus Uckermark, Hoher Steinweg 17/18, in Angermünde.

Ziel der Uckermärkischen Literaturgesellschaft ist es, die Literatur in Brandenburg, die Beschäftigung mit ihr und das literarische Erbe Ehm Welks zu pflegen, zu bewahren und zu fördern. Dies erreicht der Verein mittels der Durchführung von literarischen Projekten, Werkstätten und Seminaren, in denen Grundlagen des literarischen Schaffens vermittelt und an eigenen Texten gearbeitet wird, durch die Beratung von Nachwuchs- und Laienautoren, die Organisation von Seminaren, Tagungen, Lesungen, der Förderung des Lesens, der Herausgabe von Schriften und Anthologien sowie der Stellung der Jury für den Ehm Welk-Literaturpreis des Landrates im Landkreis Uckermark.

Das Literatur-Kollegium Brandenburg e.V. (LKB) ist ein gemeinnütziger Verein, dem etwa 60 Schriftsteller·innen, Regisseur·innen, Journalist·innen, Übersetzer·innen, Bibliothekar·innen, Literaturwissenschaftler·innen und Freund·innen der Literatur angehören. Er wurde 1990 gegründet, ist verankert in Potsdam und stellt die mitgliederstärkste Literaturfördervereinigung des Landes Brandenburg.

Mit unseren Lesungen und Publikationen wollen wir im gesamten Land Brandenburg und in Berlin Interesse für das Medium Buch wecken und die literarische Landschaft zum Blühen bringen. Wir machen uns stark für Autor·innen der Region, stellen Kontakte her zwischen einzelnen Autor·innen und dem Lesepublikum, zu hier beheimateten Verlagen, Buchhändler·innen, Medien, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Wir schreiben den Brandenburgischen Literaturpreis aus, fördern Autorinnen und Autoren sowie literarischen Nachwuchs durch Werkstätten, Manuskriptdiskussionen und Lesungen. Zudem geben wir die Zeitschrift »SchriftZüge – Brandenburgische Blätter für Kunst und Literatur« und andere Anthologien heraus. Eines unserer Ziele ist die Eröffnung eines literarisch produktiven Diskurses zwischen erfahrenen Schriftsteller·innen und noch unbekannten Autor·innen.

Des Weiteren bemüht sich unsere Vereinigung um die Integration von Menschen ausländischer Herkunft, um internationalen Kulturaustausch, z.B. im Zusammenwirken mit dem Fachbereich Germanistik der Universität Potsdam. Auch Menschen mit Behinderungen werden in unsere laufenden Projekte integriert.

www.uckermaerkische-literaturgesellschaft.de
www.literaturkollegium.de

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Förderverein Annahütte-Lausitz e.V.

Leben auf Kohlen – LiteraturLandschaftLausitz

Mit Leben auf Kohlen – LiteraturLandschaftLausitz gestalten wir im Spätsommer 2021 einen literarischen Parcours durch das denkmalgeschützte Dorf Annahütte/Niederlausitz.

Annahütte hat eine bewegte Geschichte zwischen wendischem Bauerndörfchen, Industriestandort mit Brikett- und Bleiglasproduktion und nur knapp verhinderter Devastierung durch den Braunkohletagebau. Es ist durch seine Landschaften, den rücksichtslosen Raubbau daran und deren langsame Rehabilitierung bis heute tief geprägt.

Texte von Brigitte Reimann, Volker Braun, Jurij Koch, Golo Mann, Kito Lorenc, Andra Schwarz und Lenka, die alle aus eigener Erfahrung über die Lausitz schreiben oder geschrieben haben, werden in halbstündlicher Wiederholung an verschiedenen Leseorten zum Klingen gebracht. Dazu wurden, wo nicht die Autor·innen selbst, Menschen gewonnen, die sich mit deren Schaffen intensiv auseinandergesetzt haben. Besucher·innen können in der literarischen Vermittlung und über die ungewöhnlichen Leseorte intensiv erfahren, wie grundlegend, vielfältig und fragil die Beziehung zwischen Natur-, Kultur- und Seelenlandschaften in der Lausitz ist.

Der Förderverein Annahütte -Lausitz e.V. wurde 1998 von engagierten BürgerInnen gegründet. Das zu weiten Teilen denkmalgschützte Annahütte war durch den langen Status als Bergbauschutzgebiet verfallen und hatte unter den Verwerfungen der Wendezeit mit Werksschließungen, Arbeitsplatzverlust und Perspektivlosigkeit zu leiden. Mit der vom Verein verwalteten, im Besitz der Kommune befindlichen Henrietten-Kirche sollte ein neuer, kultureller Mittelpunkt geschaffen werden.

Die Erhaltung der Bausubstanz der Henrietten-Kirche und die Pflege des historischen Erbes von Annahütte in Form eines kleinen Museums in der ehemaligen Glaswerksiedlung gehören dabei ebenso zum Vereinszweck wie die Organisation von Konzerten, Ausstellungen, Gastspielen, Vorträgen und Festen. Beim »Tag des Ehrenamts« 2018 wurde der Verein vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz für 20 Jahre nachhaltige und erfolgreiche Arbeit ausgezeichnet.

www.foerderverein-annahuette.de

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Dorfverein »Barsikow e.V.«

Kultur&Landschaft – Kultur in der Landschaft

Der Dorfverein »Barsikow e.V.« ist der Dachverein für die sozialen und kulturellen Aktivitäten im Dorf Barsikow (OPR). Das Dorf mit nur 183 Einwohnern hat schon lange eine Musikkultur: Sie reicht von einem lokalen Orchester am Anfang des 20. Jahrhunderts über eine Reihe klassischer Konzerte der »Musikwochenenden Barsikow« in den Neunzigern bis zur Gründung einer eigenen Band »aus dem Dorf, für das Dorf« in der Gegenwart.

Auch die Kunst hat bereits Tradition in Barsikow. Ausstellungen gibt es in der Galerie Barsikow seit 1996 und seit 2018 auch im Alten Konsum. Kunstworkshops (Malerei) und Ausstellungen für die Dorfbewohner mit den Themen »Mondrian« und »der Wald« fanden 2017 und 2019 im Kulturcafé-Bistro »Alter Konsum« statt mit anschließenden Ausstellungen in Neuruppin und Wusterhausen. Weitere Workshops sind in Vorbereitung und konnten durch die Corona-Pandemie noch nicht stattfinden.

Die Vernissage zur Ausstellung mit Gemälden und Lithographien des Stralsunder Malers und Grafikers Manfred Kastner im Alten Konsum wurde bereits 2018 von Saxophonklängen begleitet. Daran soll nun angeknüpft werden.

Die Reihe Kultur&Landschaft verbindet Literatur, Musik und Landschaft bei Veranstaltungen unter freiem Himmel. Die Landschaft wirkt dabei nicht nur als Kulisse, sondern vor allem auch als Mitgestalterin. Die weite Kulturlandschaft um Barsikow und Blankenberg besteht aus großflächigen Äckern und Wiesen mit darin eingestreuten Wäldchen, unterbrochen von Baumgruppen und Hecken – eine ruhige und weite Landschaft, die in meditative Stimmung versetzt. Hier entstehen neue Ideen, man wird empfänglich für Poesie. Hinzu kommt der faszinierende Effekt von Musik, die zu dieser Landschaft passt: Saxophonklänge verbinden sich mit der Landschaft durch den Wind, der dieser Musik eine natürliche Modulation verleiht und sie weit trägt.

Für Sie werden auftreten: 19.06.21 Jana Franke (Lyrik) mit Wenzel Benn (Saxophon); 10. und 11.07.21 Almut Staeglich (liest Robert Gernhardt) mit Klaus Roemer und Heino Kraft (beide Saxophon); und 07.08.21 eine weitere noch zu benennende Lyriker·in mit Birgitta Flick (Saxophon). Parallel dazu wird im Alten Konsum Barsikow eine Kunstausstellung gezeigt mit dem Thema »Landschaft«.

www.barsikow.de

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© Barbara Töpper-Fennel

Museum Oder-Spree auf der Burg Beeskow, Beeskow

Lesereihe »vom haben und brauchen – kursbuch oder-spree«

Der Landkreis Oder-Spree entstand 1993 im Zuge einer Verwaltungsreform. Gemeinsam sind der Gegend lediglich ihre Widersprüchlichkeit, ihre teils schroffen Kontraste, ihre Vielfalt. Von dieser vielfältigen Gegenwart erzählen das 2020 eröffnete »museum oder spree« und das »kursbuch oder-spree«.

Im Fokus der jährlich wechselnden Ausstellung des Museums steht immer ein neues, für die Region wichtiges Thema. Um mit den Menschen darüber zu sprechen, schwärmt eine Vielzahl von Autor·innen aus. Grundlage der Ausstellung sind die Geschichten, die sie sammeln und für das »kursbuch oder-spree« aufschreiben.

Das Museum zeigt, wie globale und nationale Entwicklungen den Alltag prägen. Dazu dienen zeitgenössische Gegenstände und historische Objekte aus der Sammlung. Ziel ist es, aus vielfältigen Perspektiven auf die Region zu blicken. Eine solche Betrachtung ist nie vollständig. Es ist eine Einladung, Fragen, die die Region bewegen, gemeinsam zu diskutieren.

Für das »kursbuch oder-spree« setzt sich Jahr für Jahr eine Gruppe von Autor·innen mit einem für die Region relevanten Themenfeld auseinander. Jeweils ein Aspekt des Themas wird von ihnen dabei anhand eines Bewohners des Landkreises beleuchtet und verortet. Zusätzlich zu den Geschichten entsteht eine Fotoreportage. Für das Jahr 2021 haben wir mit »haben und brauchen« Fragen zum Eigentum aufgerufen: Es wird u. a. von der Bodenreform erzählt, vom Leben in Kollektiven oder auch der gemeinnützigen Arbeit der Tafeln.

Im neuen Kursbuch kann man die gesammelten Geschichten nachlesen – und im Museum wiederfinden. Daneben wollen wir sie aber auch an den Ort ihrer Entstehung zurückbringen: In Dörfern bzw. Kleinstädten laden wir zu Lesungen mit den Autor·innen an einem für Veranstaltungen selten genutzten oder in Bezug zu einer Geschichte aus dem Buch stehenden Ort ein und anschließend zum Gespräch mit den Protagonist·innen. Dazu gibt es eine kleine Wanderausstellung mit den entstandenen Fotoporträts.

www.museumoderspree.de

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Cover des Buches »vom haben und brauchen – kursbuch oder-spree«; Irmgard Mogel (Mitte) und Marita Schwarz (r.) betreuen die Beeskower Tafel; Foto: © Andreas Batke

Verein Elbufer e.V., Bitter/Herrenhof

Literatur-Landschaft

Im kleinen Ort Bitter, gelegen im einstigen Sperrgebiet bei Neuhaus/Elbe, gründeten Einwohner·innen von Bitter, Herrenhof und Brandstade nach der Wende den Verein Elbufer e.V., um das Gebäude der ehemaligen Grenzkompanie als Treffpunkt zu erhalten. Inzwischen haben wir uns mit dem Strachauer Verein Kulturregion Elbtal km 475-559,5 e.V. zusammengeschlossen, der seit Jahren literarische Sommerveranstaltungen durchführt.

Landschaft ist nicht nur ein geographischer Begriff, er ist vielschichtiger: Er umfasst Heimat, Geschichte, Menschen, Städte, Dörfer, örtliche und zeitliche Nähe und Ferne, kulturelle und künstlerische Besonderheiten. Und so planen wir für 2021 unter dem Motto Literatur-Landschaft eine vielfältige Veranstaltungsreihe im Dorfgemeinschaftshaus Bitter und im alten Kneipensaal Strachau. Karin Toben liest in der Veranstaltung »Weite Landschaft Elbe« aus ihren Büchern, die von Flucht und Vertreibung in unserer Region berichten. Angelika Hoffmann lädt ein zum literarischen Ortsspaziergang »Geschichte und Geschichten« und Christine Hengevoß liest aus ihrer Übersetzung von Nekrassows »Wer lebt in Russland froh und frei«, dessen Schilderung des ländlichen Lebens an der Wolga vor 160 Jahren durchaus an unsere vom Fluss geprägte Gegend erinnert. Maria Hartmann und Natalie Böttcher bringen die urbane Landschaft Erich Kästners aufs flache Land, während uns der Briefwechsel zwischen Anton Tschechow und Olga Knipper wiederum in ferne Gegenden, nach Moskau und Jalta, entführt. Zum Abschluss geht es um »Liebe, Landschaft, Lyrik in Übersetzungen«, gelesen von Franziska Zwerg und Christine Hengevoß, sowie musikalisch umrahmt vom Christina Fischer Duo.

www.elbufer.de

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© Angelika Hoffmann

Rothener Hof e.V., Borkow, Ortsteil Rothen

Landschaft lesen / Landschaft (er)leben / Landschaft gestalten

Der Verein Rothener Hof hat sich vor knapp 20 Jahren in Rothen, einem kleinen mecklenburgischen Dorf in der Sternberger Seenplatte, gegründet. Damals drohte der alte Kuhstall der ehemaligen Gutsanlage einzustürzen. Ein paar Leute haben sich zusammengetan, um das Gebäude zu retten und hier einen gemeinsamen Ort zu schaffen.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Die Dächer wurden saniert, der Dachboden hat eine neue Decke, in den Werkstätten wird gearbeitet, es gibt ein Café, regelmäßige Veranstaltungen – nur eben jetzt gerade eine riesige Flaute.

Und immer noch ist sehr viel am Gebäude zu tun.

Auch das Gefüge im Verein hat sich verändert, längst ist die Anfangseuphorie vorbei. Der Verein stellt sich neue Fragen: Was bedeuten uns unsere Beziehungen? Können wir Einfluss nehmen, gestalten? Welche Wirkung erzielen unsere Veranstaltungen?

Im Verein gibt es seit einigen Jahren einen lebendigen Lesekreis, hier ist die Idee zur geplanten Veranstaltung entstanden.

Die Vereinsmitglieder des Rothener Hof e.V. laden Studierende des Masterstudiengangs Germanistik der Universität Potsdam ins Dorf Rothen ein. Im Vereinsgebäude, einem ehemaligen Kuhstall, soll gemeinsam gelesen, erzählt und diskutiert werden.

Zwei Romane über Landschaften – »Machandel« von Regina Scheer und »Unterleuten« von Juli Zeh – bilden die Grundlage für einen Workshop, der von einem geführten Dorfrundgang und einer Lesung gerahmt wird.

Den besonderen Reiz bildet für uns das Aufeinandertreffen zweier sehr verschiedener Partner. Mit unseren unterschiedlichen Blickwinkeln wollen wir uns den Fragen nähern: Wie verändern sich Landschaften durch sozialpolitische und wirtschaftliche Entwicklungen? Welchen Einfluss können wir nehmen? Durch welche Faktoren sind die Wahrnehmungen von Landschaften geprägt? Wie wird Landschaft verändert und genutzt, geht es dabei um Entwicklung, Wachstum, Bewahrung? Was passiert, wenn der Tourismus die Wirtschaft ablöst, wem gehört dann die Landschaft, welcher Perspektivwechsel geht damit einher?

www.rothenerhof.de

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© Christian Lehsten

Battin e.V., Brüssow

Das Ohr im Paradies

Vor fünf Jahren gründete sich in Battin ein Dorfverein – im äußersten Nordosten der Uckermark, in einer Landschaft, in der gefühlt auf jedes Haus mindestens ein Windrad kommt. Der eigentliche Anlass der Vereinsgründung war ein spezieller: Das »Paradies« stand zum Verkauf. Wer hätte das ausschlagen können?

Das »Paradies« ist eine ca. hundertjährige Streuobstwiese, außerhalb des Dorfes an den Hängen des Randowbruchs gelegen und von den Dorfbewohnern über Jahrzehnte intensiv genutzt und auch immer schon so bezeichnet. In den Jahren nach der Wende wurde das »Paradies« zusehens sich selbst und seinen überforderten Besitzern überlassen. Der Wunsch, dieses zwei Hektar große Stück Kulturlandschaft in einer von Monokultur geprägten landwirtschaftlichen Umgebung zu erhalten und als Biotop und Lebensraum zu bewahren und zu gestalten, einte die Mitglieder. Neben der behutsamen Pflege der Streuobstwiese ist ein erklärtes Ziel des Vereins, auch kulturell in den ländlichen Raum hinein zu wirken. Die Idee der »Battiner Tafel« wurde geboren, die einmal im Jahr die Dorfgemeinschaft zu einem gemeinsamen Essen an eine lange Tafel im öffentlichen Raum einlädt. Die »Uckermärkischen Musikwochen« sind inzwischen, dank dem Engagement des Vereins, ein jährlicher Programmpunkt im Terminkalender des Dorfes und der Region, der bis nach Berlin abstrahlt. Darüber hinaus gab es verschiedene kleine Konzerte und literarische Programme.

Die Idee, Literatur in den Nordosten des Landes Brandenburg zu tragen, liegt allein schon durch die sich im Laufe der Jahre auch hier verändernde Bevölkerungsstruktur nahe, so dass der Verein das Programm für »Das Ohr im Paradies« im ersten Jahr vor allem auch aus dem Potential der hier bereits ansässigen Künstler·innen heraus gestalten möchte.

Zwei der Autor·innen leben zum Teil in Battin.

Die Streuobstwiese »Paradies« wird zum Klangraum. Die »Landschaft« ist nicht nur Programm, sondern bildet den Rahmen für Hörspiele, Features und akustische Raumerweiterungen.

Die Veranstaltungsgäste werden am ehemaligen Pferdestall des Gutshauses Battin abgeholt und mit technischem »Hör-Equipment« ausstaffiert. Alle Gäste werden dann durch das Sackgassendorf Battin und anschließend auf einem ausgetretenen Feldweg die ca 1500 Meter bis ins »Paradies« geführt. Dort kann dann den jeweiligen Kunstwerken gelauscht werden. Dabei können sich alle Gäste frei im Gelände bewegen oder sich in die Sonne, den Schatten oder einfach nur aufs Ohr legen.

Kulinarisch ergänzt wird das Programm durch regionale Köstlichkeiten rund um den Apfel (und andere Paradiesfrüchte) aus der mobilen Küche des Vereins.

Im Anschluss werden die Gäste  zurück ins Dorf begleitet, wo eine Diskussionsrunde im »Pferdestall« des Gutshauses Battin geplant ist, ein Gespräch mit den Macher·innen des jeweiligen Hörkunstwerks und auch, so es sich anbietet, mit etwaigen »Expert·innen«, beispielsweise zum Thema Bienen, Wölfe, Landwirtschaft, Diversitäten, Artensterben, Klimawandel …

Alle Gespräche auf der Bühne werden von Frau Dr. Sabine Kroner moderiert werden.

www.battin.de

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© Sabine Kroner

Förderverein Kirche & Pfarrhofensemble Cramon e.V., Cramonshagen

Lese- und Podcastreihe »MV liest«

Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von viel Natur, viel Raum, viel Landschaft. Unzählige Menschen entdeckten über die Jahrhunderte diesen besonderen Reichtum der ansonsten eher ärmlichen Region – und wählten diesen bewusst als Ort zum Leben und Durchatmen. Trotz dieser Idylle wurde die traumhafte Landschaft jedoch auch immer wieder Ort traumatischer Ereignisse, die sie zum Teil großflächig überzogen. Kriege, Hungersnöte, Denunziationen – all dies sind extreme Kontraste zum romantischen Bild der Landschaft. Mehrere Autor·innen griffen diese Ereignisse in ihren literarischen Werken auf.

Im Rahmen der 2020 erfolgreich gestarteten Lese- und Podcastreihe »MV liest« wollen wir uns unter dem Jahresthema »Landschaft« diesen Werken widmen und gemeinsam mit der Landbevölkerung mit drei Autorinnen ins Gespräch kommen und uns mit den Inhalten ihrer Werke auseinandersetzen. Veranstaltungsort ist die als Hörspiel- und Begegnungsscheune restaurierte ehemalige Pfarrscheune im kleinen Ort Cramon im Landkreis Nordwestmecklenburg, die sich gerade als kulturelles Kleinod innerhalb der Agrarlandschaft positioniert.

www.foerdervereincramon.de

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Silicon Vilstal, Geisenhausen

Der Talgrund zeichnet Mäander in seine Wiesen hinein. Heimatentdeckungen mit Literatur und Technologie.

Das sechste Silicon Vilstal Erlebnisfestival (23. bis 26.9.2021) verbindet wieder Themen wie MINT-Bildung, Unternehmertum, Kulturangebote und nachhaltige Mobilität. Der Grundgedanke ist dabei die Förderung eines ländlichen Ökosystems für Kreativität und Innovation.

2021 wird in diesem Rahmen mit einem Audiospaziergang und einem Podcast zum literarischen Wirken Günter Eichs ein Bogen zur Innovationslandschaft und aktuellen Themen wie der kreativen Arbeit aus dem ländlichen Raum heraus (Remote work / Home office) sowie der Interaktion zwischen urban geprägten Menschen und der Bevölkerung auf dem Land gespannt.

Günter Eich, einer der bedeutendsten deutschen Dichter der Nachkriegszeit und Vorreiter bei der Evolution des medialen Formats Radiohörspiel, verbrachte rund zehn Jahre seines Lebens im Haus einer Spenglersfamilie in der Ortsmitte von Geisenhausen und verarbeitete in einigen Werken Eindrücke der sehr ländlichen Gegend mit ihrem sanftem Hügelland und einem prägenden mäandrierenden Fluss.

Silicon Vilstal ist eine gemeinnützige Innovationsplattform aus Niederbayern mit einem breiten Netzwerk von Partnern. Wir fördern offene gesellschaftliche Innovation und machen digitale Chancen ländlicher Regionen greifbar. Das Aktivitätenspektrum besteht aus vier ineinandergreifenden Formaten:

  • Silicon Vilstal Ideenwerkstatt: ein kreatives Bildungsangebot aus den Bereichen Digital, MINT und Maker.
  • Silicon Vilstal Kreativraum: ein wechselnder Ort für Workshops und Ausstellungen von Künstler·innen und Kreativen, der jeweils Tradition und Moderne miteinander verbindet.
  • Bauer sucht Startup: ganzjähriges branchenunabhängiges Coaching- und Coworking-Programm für Startups.
  • Silicon Vilstal Erlebnisfestival: führt alle Aktivitäten einmal im Jahr zusammen. Rund um die Schwerpunkte Innovation, Gründergeist und Kreativität gibt es Vorträge, Kurse, Workshops und Mitmachaktionen für Jung und Alt. Das Festival wurde 2019 und 2020 durch die EU als European Social Economy Region Event ausgewählt.

www.siliconvilstal.de

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© David Schreck

Donnersberger Literaturverein, Kirchheimbolanden

8. Donnersberger Literaturtage

Der Donnersberger Literaturverein richtet alle zwei Jahre die Donnersberger Literaturtage aus; 2021 zum 8. Mal. Sie vereinen:

1.) einen rheinland-pfälzischen Schreibwettbewerb aller Schüler·innen mit abgeschlossener Mittlerer Reife, 2021 zum Thema »Zwischen den Stühlen«,

2.) Lesungen mit national bekannten Autor·innen, darunter ein·e bilinguale·r Autor·in, und

3.) Lesungen regionaler Autor·innen, darunter ein·e Mundartdichter·in.

Darüber hinaus gibt es Veranstaltungen für Kinder, eine Kunstausstellung zum literarischen Thema, Workshops und passende Sachvorträge. Die Donnersberger Literaturtage sind vermutlich das komplexeste und vielseitigste Literaturfestival in Rheinland-Pfalz, vielleicht sogar im nationalen Vergleich.

Beim Schreibwettbewerb wird der Susanne-Faschon-Preis verliehen. Er ist mit 2000 € dotiert. Insgesamt werden 13 Schüler·innen ausgezeichnet. Die ersten drei mit Geldpreisen in Höhe von 500 € / 300 € / 200 €, die folgenden zehn Autor·innen mit je 100 €.

Außerdem wird ein »Preis für die schreibkreativste Schule« vergeben.

www.DLVerein.de

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© T. M. Mayr

Initiative Zernikow e.V., Großwoltersdorf

FÜNF ALLEEN – Literarische Wanderungen durch die Zernikower Gutslandschaft

Die Zernikower Gutslandschaft, die in der Epoche der Großmutter des romantischen Dichters Achim v. Arnim entstand, ist ein gelungenes Beispiel für die Landschaftsarchitektur des 18. Jahrhunderts, die Natur- und Kulturlandschaft zu einem harmonischen Ganzen vereint. Sieben Alleen mit bis zu 250-jährigen, monumentalen Bäumen rahmen den Gutshof in der Feldflur ein. Die Maulbeerallee, die aus der Seidenproduktion für Friedrich den Großen hervorging, ist bis heute einzigartig. Hier genoss Arnim im Sommer die ländliche Idylle als Gegenpol zu Berlin und ließ sich zu seinem Frühwerk inspirieren.

Die Berliner Autorin Ruth Johanna Benrath hat mit Gerlind Groß, der Vorsitzenden des Vereins »Initiative Zernikow e.V.« das künstlerische Konzept erarbeitet. In den fünf begehbaren Alleen werden ab Mai literarische Sonntagsmatineen stattfinden. Mit diesen Freiluftveranstaltungen wollen wir Literatur in der Natur einen Ort geben. Wir durchstreifen die Zernikower Alleen, hängen dort Gedichte in den Wind, lassen die alten Bäume erzählen und versprechen, es wird romantisch.

www.initiative-zernikow.de

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Burg Hülshoff – Center for Literature, Havixbeck

Phantomlandschaften

Eine Papierarbeit der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff heißt »Indische Landschaft« und zeigt exotische Tiere, Pflanzen und einen Schwertkampf. In diesem Scherenschnitt wirken alle wie Phantome; und in einem Gedicht schreibt Droste: »[M]ein Indien liegt in Rüschhaus.« Wie auf diese Weise Indien und Westfalen in einer imaginierten Landschaft zusammenwirken, so sind unser aller Heimaten zwischen »wirklich« und »vorgestellt«. Welche Phantome führen uns, im Positiven wie Negativen, durch die Landschaften, die wir bewohnen? Wohin sehnen wir uns (zurück)?

Mit der Veranstaltung »Phantomlandschaften« fragt Burg Hülshoff – Center for Literature danach, wie unterschiedlich Heimaten ge- und beschrieben werden – zwischen Globalisierung und Re- Nationalisierung, Stadt und Land, Pandemie und »Neuer Normalität«. Das Projekt vergibt also drei Aufträge für Texte und Live-Performances, die teils physisch, teils digital stattfinden. Beteiligt sind die Roman-Autor·innen Stefanie de Velasco und Jan Brandt; die Spoken Word-Künstler*in ALOK; und die Musikerin, Texterin und Bildende Künstlerin Anna Kohlweis.

ww.burg-huelshoff.de

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© Anna Kohlweis

Freunde & Förderer Kloster Hedersleben e.V., Hedersleben

HEINRICH HEINES LANDSCHAFTSBILDER

»Und seitab liegt die Stadt …« – in diesem Falle das Kloster Hedersleben im Landkreis Harz zwischen den beiden Kulturjuwelen Quedlinburg und Halberstadt. Hier finden seit 2018 die Kulturtage Kloster Hedersleben statt. Aufgrund seiner zentralen geografischen Lage in Europa gibt es einen einzigen thematischen Schwerpunkt: WAS BEDEUTET UNS EUROPA? An vier Tagen kommen herausragende Kulturvermittler·innen wie Theaterschaffende, Musiker·innen, Literat·innen, Historiker·innen, Geisteswissenschaftler·innen und Politiker·innen in das Kloster Hedersleben, um dieser Frage nachzugehen. Die europäische Literatur nimmt dabei eine besonders betonte Stellung ein. Vom 23. – 26.09.2021 finden die vierten Hederslebener Kulturtage statt. Ihr Thema ist: KULTUR UND GEISTESGLANZ – DAS JÜDISCHE EUROPA. Unter den zehn Programmen beschäftigt sich die Eröffnungsveranstaltung mit den Reisebildern von Heinrich Heine, die dankenswerterweise von dem Förderprogramm »Und seitab liegt die Stadt« unterstützt wird.

www.kloster-hedersleben.de

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© J. Gasteiger

Schwabenakademie Irsee

»Landgastschreiber« Roman Ehrlich. Labor literarischen Schreibens

Als Writer in Residence wird Roman Ehrlich im Frühjahr 2021 Gast in Irsee sein. Erstmals geht ein Autor im ehemaligen Benediktinerkloster in Schreibklausur. Ehrlich lässt mit Berlin die großstädtische Literaturmetropole hinter sich, um seine schriftstellerische Arbeit im Allgäu, an der geographischen Peripherie fortzusetzen. Er tauscht seinen Wohnort gegen ein Dorf mit gut 1.500 Bewohnern, das inmitten der typischen Allgäuer Voralpenlandschaft liegt. Das sechswöchige Eintauchen des Autors in den ländlichen Kulturraum mit den spezifischen Strukturen wird für vielfältige literarische Anregung sorgen. Akzente setzen persönliche Begegnungen mit Menschen vor Ort sowie Exkursionen mit Fachleuten in die nähere Umgebung (Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus etc.).

Ein online Blog mit Texten, Interviews, Fotos und Videos bietet die Gelegenheit, täglich Einblick in den Schreibprozess von Roman Ehrlich zu gewinnen. Dieser Teil des Projekts wird wissenschaftlich begleitet. Daneben wird der Autor das literarische Leben der Region bereichern durch Auftritte in Büchereien, Schulen oder renommierten Veranstaltungsreihen wie dem Allgäuer Literaturfestival.

Die Schwabenakademie ist eine Volkshochschuleinrichtung und erfüllt Aufgaben der Erwachsenenbildung. Ihre Angebote richten sich an ein über-/regionales, bildungsinteressiertes Publikum. Die thematischen Schwerpunkte bilden Literatur, Philosophie, Kunstwissenschaften und Geschichte. Die Schwabenakademie bedient die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Dazu veranstaltet die Institution (internationale) Tagungen für eine allgemeine Öffentlichkeit, außerdem gibt sie Buchreihen heraus (Michael Imhof, Kohlhammer, UVK). Literatur- und Kunstförderung finden durch Festivals (Allgäuer Literaturfestival, Literaturfestival Nordschwaben), Veranstaltungen mit Förderpreisen (Irseer Pegasus, Meckatzer Kunstpreis, Josef-Guggenmos-Preis), interdisziplinäre Veranstaltungen (Schwäbischer Kunstsommer) und Ausstellungen statt. Die Projekte werden in Kooperation mit Hochschulen sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen realisiert. Austausch und gegenseitige Förderung im Netzwerk stehen im Vordergrund. Träger der Schwabenakademie sind der Bezirk Schwaben und der Schwäbische Volksbildungsverband.

www.schwabenakademie.de

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© Schwabenakademie

Kulturverein Platenlaase, Jameln

Unsere Umwelt: Lebensraum und Lebenstraum

Der Kulturverein Platenlaase gehört zum Wendland und zum Widerstand. Damit meinen wir nicht nur den Widerstand gegen monströse Formen der Energiegewinnung sondern auch Widerstand gegen soziale Ungleichheit, Diskriminierung, Umweltzerstörung, Gewalt, Neoliberalismus sowie gegen die Enge von Gedanken, Zeiten und Räumen.

Die Räume, die wir zur Verfügung haben, werden daher durch Menschen belebt, die etwas tun – dafür, dagegen, damit und trotzdem.

Wir verstehen uns als ein Ort, an dem Menschen aus »dem Landkreis« ebenso wie den übrigen Gebieten dieser und anderer Welten einander begegnen können, um zu reden, zu lachen, sich zu streiten, zu trinken und zu handeln.

Denn Kultur ist Verhalten – mit Instrumenten, Worten, Behinderungen, Idealen, unglaublichen Fähigkeiten oder einer Schwäche fürs Kartenspiel.

Wir möchten insbesondere jene Gruppen ansprechen und unterstützen, die hier, auf dem Land, oder auch anderswo mehr Aufmerksamkeit, mehr Rechte, mehr Rückhalt, mehr Macht oder Spielräume gebrauchen könnten.

Zum Thema »Landschaft« wird unter dem Veranstaltungstitel »Unsere Umwelt: Lebensraum und Lebenstraum?« ein sommerliches Open Air Literaturfestival im großen Garten des Künstlerhofes Schreyahn initiiert, der alten Baumbestand aufweist und im historischen Rundlingsdorf gelegen ist. Dargeboten werden generationsübergreifende Lesungen und Schreibworkshops herausragender Gegenwartsautor·innen wie Ulrike Draesner, Marion Poschmann und Christoph Peters gepaart mit ausführlichen Gesprächen sowohl mit den Autor·innen als auch mit dem Publikum. Die vielfältigen Aspekte des Landschaftsbegriffs werden durch die Auswahl der Autor·innen und deren Werke zur Sprache gebracht. Programmatisch wird diese Vielfalt durch die Schwerpunktsetzung des »Nature Writing«. Das breit gefächerte Spektrum dieser literarischen Gattung, die politisches Schreiben in Zeiten des Klimawandels ist, spiegelt die Vielseitigkeit des Themas wider.

www.platenlaase.de

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© Annett Melzer

UNESCO-Klub Joachimsthal e.V., Joachimsthal

Bahnhof in voller Fahrt – Entwürfe für neue kulturelle Bahnhofsprojekte / Lesungen, Übersetzerworkshop, Performance, Exkursionen

Während in den Städten modernere und größere Bahnhofsgebäude gebaut werden, verfallen auf dem Land viele der ehemaligen Bahnhofsgebäude ungenutzt. Was geschieht mit diesen roten oder gelben Backsteingebäuden und Fachwerkbauten, die Landschaften noch immer stark prägen? Die »Warnitzer Lesungen« widmen sich ein ganzes Wochenende lang diesen Fragen – Autor·innen, Übersetzer·innen, Musiker·innen, Maler·innen, Sänger·innen, Schauspieler·innen und Publikum gehen auf literarische wie ganz praktische Spurensuche – in europäischem Austausch und regionalem Exkurs. Der Zug für den Alten Bahnhof in Warnitz ist schon seit Jahren abgefahren, die Gemeinde erwarb das Bahnhofsgebäude und bot es der Tourismusinformation zur Nutzung an. Im »Café im Alten Bahnhof« finden monatlich »Warnitzer Lesungen« und Diskussionen statt. Wie in Brandenburg musste auch für das stillgelegte Bahnhofsgebäude Neuberg (Steiermark/Österreich) ein modernes Nutzungskonzept gefunden werden. Eine Gruppe von Lehrenden, Forscher·innen und Studierenden gründeten im bis dahin ungenutzten Bahnhofsgebäude das »Neuberg College« und entwickelt und erprobt alternative Methoden der Kunst, Lehre und Wissenschaft mit Unterstützung kulturinteressierter Bewohner·innen der Umgebung.

Diese beiden ganz unterschiedlichen kulturellen Nutzungskonzepte für alte Bahnhofsgebäude werden nicht nur vorgestellt, sondern präsentieren sich arbeitend und miteinander kooperierend. Es wird virtuelle wie praktische Erkundungen und Exkursionen zur historischen (das heißt politischen und sozialen) Geschichte der Bahnhöfe in Neuberg, Warnitz, Joachimsthal und Gramzow geben, Lesungen literarischer Bahnhofstexte, einen öffentlichen Übersetzerworkshop und eine musikalisch-literarische Performance, in der Schauspieler·innen, Musiker·innen und Maler·innen Bahnhofsweltliteratur nicht nur akustisch, sondern mit allen Sinnen erlebbar machen.

Projektträger ist der UNESCO-Klub Joachimsthal e.V., langjähriger Kooperationspartner der Lesungen. Warnitz liegt inmitten des UNESCO-Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, das als Modellregion nachhaltige Entwicklung unter ökologischem, ökonomischem, sozialem und kulturellem Aspekt verwirklichen soll. Für den Bahnhof Neuberg, einen Nebenstreckenbahnhof des UNESCO-Welterbes Semmeringbahn, wird demnächst die Aufnahme in das UNESCO Welterbe beantragt.

www.unesco-clubs.de

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Felix Reinstadler und Peter Waterhouse, © Heinz-Peter Bolle-Bovier

Stadtbücherei Kappeln

Schöne Aussichten – literarische Workshopreihe mit Jan Christophersen und Björn Högsdal

Die Stadtbücherei Kappeln ist eine öffentliche Bücherei im nördlichen Schleswig-Holstein, zentral gelegen in der Innenstadt der Kleinstadt Kappeln. Die Bücherei hat sowohl eine feste Stammleserschaft als auch Laufkundschaft, und auch viele Tourist·innen nutzen in den Sommermonaten die Angebote. Momentan ist ein Großteil der Nutzer·innen über 60 oder unter 10 Jahren alt. Sehr gerne möchten wir auch eine breitere Zielgruppe ansprechen. Durch eine zeitgemäße Kulturarbeit und niedrigschwellige Zugangsvoraussetzungen erhoffen wir uns auch eine Teilhabe von Menschen, die sich bislang noch nicht mit unserem Programm identifizieren konnten.

Wir sehen uns als einen Ort, der allen offen steht und freien Zugang zu Medien und Informationen bietet. Dadurch können einerseits wichtige Kompetenzen gestärkt, andererseits aber auch eventuelle Bildungsunterschiede ausglichen werden.

Hinter dem Veranstaltungstitel »Schöne Aussichten« verbirgt sich eine literarische Workshopreihe mit den Autoren Jan Christophersen und Björn Högsdal. Beide Künstler kommen aus Schleswig-Holstein und sind erfahrene Workshopleiter.

Der Autor Jan Christophersen bietet einen zweitägigen Schreib-Workshop für Erwachsene an, der in den Räumlichkeiten der Stadtbücherei stattfinden wird. Der Poetry Slammer Björn Högsdal wird einen Workshop für Jugendliche zum Thema kreatives Schreiben anbieten.

Die Region Angeln – direkt an der Ostsee und der dänischen Grenze gelegen – sehen wir als eine inspirierende Quelle für das Thema »Landschaft«. Wir möchten reizvolle Orte finden und diese in die Texte mit einfließen lassen.

Wie nehme ich die Landschaft wahr? Wo liegt die Schönheit und Harmonie? Gibt es eine besondere Ästhetik oder Eigentümlichkeiten? Dies könnten Fragen sein, mit denen sich die Teilnehmer·innen in den Workshops beschäftigen und aus denen sich Texte und Ideen entwickeln können.

Als Abschluss planen wir die Präsentation der entstandenen Texte, entweder als kleine Lesung oder auch als Veröffentlichung in der Schulzeitung/Homepage.

www.stadtbuecherei-kappeln.de

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Gemeinde Kaufungen

Mit Kultur durch die Natur – Literarisches in und über Landschaften

Kaufungen ist eine moderne Gemeinde mit über 1000-jähriger Geschichte direkt vor den Toren Kassels, eingebettet im Tal der Losse, umgeben von Wiesen und Wäldern, mit malerischen Fachwerkwinkeln in den alten Ortskernen.

Weithin sichtbar erhebt sich die mächtige Stiftskirche über das Lossetal. Kaufungen war im frühen Mittelalter eine Kaiserpfalz des Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde. Ab 1017 baute Kunigunde die Pfalz zur Klosteranlage um, in der sie als Kaiserwitwe und Nonne bis zu ihrem Tode 1033 lebte. 1532 wurde das Kloster aufgelöst, an die Hessische Ritterschaft übergeben und zum Stift umgewidmet. Heute ist das großartige Stiftsareal ein einmaliger Erlebnisort für Konzerte, Märkte und Feste.

Lohnenswerte Ziele sind auch der Rundgang auf dem »Kultur&Garten Pfad« zwischen dem Stiftsareal und dem Regionalmuseum »Alte Schule« mit Museumsgarten, das Bergwerkmuseum Rossgang, das Hessische Ziegeleimuseum und die »SinnesGänge«.

Neben Orts- und Kirchenführungen laden viele Wander- und Radwegenetze zu inspirierenden Kultur- und Natur-Entdeckungstouren in die Region ein.

»Mit Kultur durch die Natur – Geheimnisvolle natürliche Bühnen im Kaufunger Wald musikalisch, poetisch und sinnlich entdecken« – so heißt eine kleine erfolgreiche Wanderreihe mit Akkordeonspieler und Naturparkführerin, die wir 2019 in Kooperation mit dem Geo-Naturpark Frau-Holle-Land starteten.

»Mit Kultur durch die Natur – Literarisches in und über Landschaften« – diese neue Open Air Sommer-Herbstlesereise auf Kaufunger Wiesen und Feldern lädt in 2021 dazu ein, Wortkunst auf attraktiven Anhöhen mit weiten Ausblicken in die Nordhessische Landschaft zu genießen.

Wie bei den Klappstuhlkonzerten des Kultursommers Nordhessen bringen die Besucher·innen ihre eigene Sitzgelegenheit mit. Bei Schlechtwetter stehen uns alternative Spielstätten zur Verfügung.

Einladen möchten Autorinnen und Autoren, die in ihren Buchveröffentlichungen Landschaften und Orte beschreiben, die einen Bezug zu Nordhessen haben oder deren Geschichten auch unsere sein könnten.

Kinder und Jugendliche können sich als Landschaftsgeschichtenerzähler·innen ausprobieren.

Zum Abschluss der Reihe ist eine Talkrunde »Kultur-Landschaft-Heimat« geplant.

www.kaufungen.eu

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© Horst Hoffmann

Kulturwerkstatt Kircheib e.V.

Land_schaf(f/t)en

Unter dem Titel »Kulturwerkstatt Kircheib« betreibt die Familie Krah und der neu gegründete Verein die Entwicklung ehemaliger Räumlichkeiten des familiären Reifenhandels zu einer kleinen Kulturinstitution mit einem regelmäßigen Programm in verschiedenen Kunstsparten. Eines der wichtigsten Ziele des kleinen Kulturzentrums an der B8 ist es, das kulturelle Angebot in der Region zu stärken. Neben der Organisation und Durchführung von ca. acht größeren Veranstaltungen pro Jahr liegen unsere Schwerpunkte in der kulturellen Bildung, der Kulturvermittlung und dem Austausch überregionaler und internationaler Kulturproduzent·innen mit kulturinteressierten Menschen in der Region.

Die »Kulturwerkstatt Kircheib« versteht sich als experimentelles Modellprojekt zur Stärkung der kulturellen Infrastruktur und als innovativer Beitrag zur Transformation der Region Westerwald. In diesem Zusammenhang setzen wir auf eine fortlaufende Evaluation des Projektes, eine professionelle Dokumentation und die kulturwissenschaftliche Auswertung mit Hilfe empirischer Methoden.

In unserer Lesungs-Reihe Land_schaf(f/t)en (Arbeitstitel) werden wir verschiedene zeitgenössische Positionen deutscher Literatur in der Kulturwerkstatt Kircheib vorstellen. Dafür laden wir an drei Terminen jeweils zwei Autor·innen ein, die so viel vereint, dass es produktiv ist, ihr Werk miteinander in Bezug zu setzen, die aber zugleich genug trennt, um die Diversität der deutschen Literatur-Landschaft anhand der Unterschiede herauszuarbeiten.

Für uns wird Landschaft in erster Linie aus einer Positionierung in der Gesellschaft und der daraus resultierenden Perspektive gestaltet. Diese Positionierung ist wiederum abhängig von der Identität des/der Künstler·in, die wiederum geprägt wird von seiner/ihrer Sozialisation, Status, Persönlichkeit und Umfeld/Familie. Die Position beeinflusst also die Wahl der Sujets und die Auswahl(-möglichkeiten) formaler Zugriffe und ästhetischer Gestaltung.

Die Veranstaltungen der Reihe bestehen aus je drei Formaten, von denen jeweils zwei Lesungen und ein Künstler·innengespräch zu einem Block zusammengefasst im Garten der Familie Krah und die zusätzlich geplanten Workshops bzw. Textwerkstätten am vorherigen bzw. nachfolgenden Tag in den Räumen der Kulturwerkstatt stattfinden werden.

www.kulturwerkstatt-kircheib.de

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Lesung des Hannoveraner Autoren Jan Fischer

Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte e.V., Krummhörn

Wer auszog, das Gruseln zu lernen …

Gruselliteratur fasziniert uns Menschen. Das Schaudern und Frösteln der Gänsehaut im Spiel mit der Angst ist verlockend. Ob es der Nebel, die Dunkelheit oder auch gruselige Häuser und Orte sind, wir begeben uns in unserer Fantasie gerne dorthin, um von Geistern und Gespenstern zu hören. Die Kellergruft des Steinhauses Greetsiel in der Krummhörn ist eine teuflisch gute Kulisse, um sich einmal richtig zu gruseln. Wir laden ein, zu Leseabenden der besonderen Art. Vom 02.07. bis 20.08.2021 präsentieren die Kinder und Jugendlichen der Ländlichen Akademie Krummhörn-Hinte insgesamt achtmal Gruselgeschichten, die es in sich haben. Das ist nichts für schwache Nerven …

Seit 38 Jahren ist die Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte im Landkreis Aurich und dort in der Gemeinde Krummhörn und in der Gemeinde Hinte als gemeinnütziger Kulturverein aktiv. Rund 450 Mitglieder in 50 Gruppen zählt die LAK. Davon sind ein Drittel Kinder und Jugendliche. Das Angebot der LAK beinhaltet diverse Musikgruppen aus den Sparten: Gitarre, Flöte, Handglocken, Chimes, Xylophon, Schlagzeug, Bläser, Chor und Instrumente der musikalischen Früherziehung. Daneben gibt es einen großen Bereich der bildenden Künste und kreatives Handwerk wie Töpfern, Filzen, Zeichnen, Malen, Holzwerkstätten und Ähnliches. Auch Theatergruppen von Erwachsenen und Jugendlichen sind in der LAK aktiv. Jährlich erarbeiten die Mitglieder der LAK ein oder zwei Großprojekte wie z. B. Musicals, Theater, Konzerte, Ausstellungen, Filme o. Ä., bei denen dann viele Gruppen der LAK und auch Außenstehende in die Aktivitäten eingebunden werden. Bis zu 150 Menschen sind in den Projekten der LAK aktiv beteiligt.

www.lak.de

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Ökospeicher e.V., Wulkow

Wulkower Literatur-Workcamp

Der Ökospeicher e.V. ist ein Verein in Wulkow bei Frankfurt (Oder), einem 200-Einwohner-Dorf nahe der deutsch-polnischen Grenze. Benannt ist er nach einem alten Getreidespeicher, der in der Anfangsphase des Vereins 1991 als eine Art Gründerzentrum für ökologisch orientierte Betriebe auf dem Land diente. In den letzten Jahren hat sich der Speicher zu einem Begegnungs- und Veranstaltungsort gewandelt, mit einem Fokus auf Klima-, Umwelt- und Naturschutzthemen.  Kneipe und Dorfladen werden ehrenamtlich geführt. Zudem vermietet der Verein einige Gästezimmer, um die Kosten zu decken. Eine institutionelle Förderung bekommt er nicht.

Mehrere Schriftsteller·innen-Gruppen haben das Vereinshaus in den letzten Jahren als Rückzugs- und Arbeitsort entdeckt und lasen dort aus ihren Arbeiten. Zudem führt der Verein seit 2017 die monatliche Veranstaltung »Ich lese was, was Du nicht liest« durch, in der Leser·innen ihre Lieblingslektüre vorstellen.

»Schön ruhig hier« oder »Nichts wie weg« – jede·r hat eine andere Beziehung zur Landschaft, die sich spürbar ändert; klimatisch, wirtschaftlich und demografisch. Unsere Idee ist es, das Jahresthema wörtlich zu nehmen.  Wir wollen Schreibende einladen, die Landschaft um unser Dorf in ihrer Schönheit und in ihren Konflikten wahrzunehmen. Wir stellen uns ein zweiteiliges literarisches Workcamp vor. Beim ersten Treffen im Frühjahr nehmen wir die Autor·innen mit auf eine Reise durch unsere Agrar-, Natur- und Geschichtslandschaft. Beim zweiten Treff im Frühherbst wollen wir gemeinsam eine erste Ernte feiern.

Ziel ist es, Autor·innen ein Material an die Hand zu geben, aus dem sich literarisch Funken schlagen lässt.  Im besten Fall werden daraus ernsthafte Recherchen für eine spätere literarische Produktion.  Kurzfristig erhoffen wir uns Nachdenkliches und Unterhaltendes: Kurze Texte, gern auch Skizzenhaftes, Unfertiges, das im weitesten Sinne mit dem Gesehenen und Gehörten zu tun haben soll.

www.oekospeicher.de

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Wilhelm-Hauff-Museum, Lichtenstein

Leben und Wirken von Wilhelm Hauff

Das Wilhelm-Hauff-Museum ist ein kleines Museum am Fuße der Schwäbischen Alb.

Das Museum entstand 1982 im Rahmen der Schwäbischen Dichterstraße. Honau wurde gewählt, da es genau unter der Burg Lichtenstein liegt, die nach dem Roman »Lichtenstein« von Hauff gebaut wurde. Die Burg prägt seit den Vierzigerjahren des 19. Jahrhundert die Landschaft und hat die Region verändert. Tourismus entstand, und aus einzelnen Wanderungen wurden Ströme. Bis heute. Nach dem 2. Weltkrieg geriet durch das Wirtschaftswunder die Bedeutung der Region in Vergessenheit. Mit dem Ende der Textilindustrie in Württemberg und dem zunehmenden Blick auf den Erhalt der Natur und ökologischem Reisen verändert es sich gerade wieder. Corona hat den Prozess beschleunigt. Der Albtrauf wird neu entdeckt und damit auch Wilhelm Hauff. Das Museum war etwas in Vergessenheit geraten, die Gründerinnen wurden alt und verstarben. Nun soll das Museum wieder Leben bekommen. Neben einer Sonderausstellung über Rekorde und Besonderheiten in Honau im 19. und 20. Jahrhundert dienen dazu Abendveranstaltungen, die vor allem Menschen aus der Umgebung ins Museum locken sollen. Wer war Wilhelm Hauff? Welche Ideen führten zum Roman »Lichtenstein«? Sind seine Märchen noch aktuell? Wie sind seine Novellen zu verstehen und einzuordnen.

Mit Unterstützung von »Und seitab liegt die Stadt« wollen wir diese Fragen beantworten.

www.gemeinde-lichtenstein.de/Wilhelm_Hauff_Museum.de

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Deutsches Literaturarchiv Marbach

Was man von hier aus hören kann. Poesie-Picknick auf der Schillerhöhe

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach ist eine der bedeutendsten Literaturinstitutionen weltweit und liegt in einem 15.000-Einwohner-Städtchen. Von der parkähnlichen Schillerhöhe sieht man über eine Felskante ins Neckartal. Im Schiller-Nationalmuseum erinnert ein Relief an Schillers Gedicht »Das Mädchen aus der Fremde«: »Sie brachte Blumen mit und Früchte, / Gereift auf einer andern Flur, / In einem andern Sonnenlichte, / In einer glücklichern Natur.«

Am 1. August 2021, zur Finissage der Ausstellungen »Die Seele« und »Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie« im Literaturmuseum der Moderne, öffnet die Poesie den Blick in die unterschiedlichen Landschaften an diesem einen Ort. Schiller erzeugt seine Landschaft, indem er die Natur als Gegenüber anspricht: »Sey mir gegrüßt, mein Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel«. Hölderlin beschreibt sie als Aussicht: »Der offne Tag ist Menschen hell mit Bildern, / Wenn sich das Grün aus ebner Ferne zeiget, / Noch eh des Abends Licht zur Dämmerung sich neiget.« Celan stellt uns mitten hinein: »Laven, Basalte, weltherz- /durchglühtes Gestein. / Quelltuff, / wo uns das Licht wuchs, vor / dem Atem.« Rühmkorf nutzt sie für eine buchstäblich schlüpfrige Szene: »Der Himmel so violett-winterlich, / verschwunden fast, verschwommen – / Durch dauernde Gedanken an dich / bin ich ins Rutschen gekommen.«

Die Bühne für das Poesie-Picknick »Was man von hier aus hören kann« ist die gleichnamige »Stimmeninstallation für freies Gelände« von Lili Anschütz und Judith Kuckart mit Texten von Marcel Beyer, Thomas Brasch, Annette von Droste-Hülshoff, Hanns Dieter Hüsch, Mariana Leky, Monika Maron, Rainer Maria Rilke und Friedrich Hölderlin. Sie wird um 11 Uhr mit Judith Kuckart eröffnet. Von 12 Uhr bis 13 Uhr sprechen Katharina Hacker und Friederike Roth (Moderation: Jan Bürger) im Freien über Natur- und Archivtöne, innere Landschaften und Papiergebirge, Reden an die Natur und Stimmen aus ihr.

Im Anschluss finden unterschiedliche Führungen zu den Ausstellungen statt – innen durch und außen herum.

www.dla-marbach.de

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Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V., Meuselwitz

Hilbig in M.

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft fördert die Auseinandersetzung mit dem Werk des Dichters Wolfgang Hilbig (1941–2007) und wendet sich mit Veranstaltungen und Publikationen an das Lesepublikum und die Literaturwissenschaft. 2019 hat die Gesellschaft in Hilbigs Geburtsort Meuselwitz einen Gedenkstein installiert. Literarische Veranstaltungen finden hier, jedoch vor allem im Literaturhaus Leipzig statt. Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft hat derzeit 70 Mitglieder in Deutschland, Frankreich, Polen und den USA, die ihrerseits gemeinsam mit Kulturpartnern Projekte gestalten – 2021 beispielsweise Lesungen in Paris, New York, Chicago und eine Wolfgang-Hilbig-Tagung an der Universität Turin. Zu den Mitgliedern der Gesellschaft zählen neben Schriftstellern wie Ingo Schulze und Clemens Meyer und Persönlichkeiten aus der Kultur auch Arbeiter·innen, Ingenieur·innen und Angestellte, was den Austausch und die Veranstaltungsthemen sehr vielseitig macht.

www.wolfgang-hilbig.de

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© Joachim Assel

Stadt Neustadt (Hessen)

Liter(N)ATUR 21! – Wir lesen in der Natur

Die Stadt Neustadt (Hessen) liegt am östlichen Rand des Landkreises Marburg-Biedenkopf. In der Kommune leben rund 9.500 Einwohnerinnen und Einwohner. Neustadt wird als die »Historische Stadt im Marburger Land« bezeichnet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es in der Kommune zahlreiche Gebäude – das heutige Rathaus, die Stadtpfarrkirche, den Junker-Hansen-Turm (größter Fachwerkrundbau der Welt) oder das Historische Rathaus am Marktplatz – aus dem 15. und 16. Jahrhundert gibt.

Eine Besonderheit Neustadts ist der Bürgerpark, der sich in direktem Anschluss an das Historische Ensemble befindet und bis zum neu errichteten Kultur- und Bürgerzentrum in der Querallee erstreckt. Der Park bildet als »Aufenthalts- und Freizeitbereich« das »grüne Herz« der Kommune.

Sowohl im Bürgerpark mit dem Wallgraben-Pavillon als auch dem Kultur- und Bürgerzentrum, welches das Familienzentrum und auch das Bücherei- und Medienzentrum beinhaltet, finden kulturelle Veranstaltungen statt.

Im Rahmen von »Liter(N)ATUR 21! – Wir lesen in der Natur« möchte die Stadt Neustadt zum einen die Vielfältigkeit der örtlichen Landschaft darstellen und zum anderen die Begeisterung für das Lesen bei allen Altersklassen fördern. Gerade in Corona-Zeiten bietet es sich an, ein Veranstaltungsformat in der Natur zu organisieren. Die Teilnehmer·innen sollen hierbei nicht nur »konsumieren«, sondern auch selbst aktiv werden; etwa beim Apfelpressen oder bei Gewässeruntersuchungen. Zu den einzelnen Veranstaltungsorten und Aktionen wird es jeweils passende Literatur geben. Zudem ist vorgesehen, das Spielraumtheater Kassel mit einzubinden und sowohl für Kinder als auch Erwachsene durch passende Stücke den Bezug zur Literatur (insbesondere Märchen und Texte der deutschen Klassik) herauszustellen. Weiter soll ein Lesebaum am Welttag des Baumes gepflanzt werden. Die Veranstaltungsreihe greift bisherige Aktivitäten der Kommune auf und gibt ihnen im kommenden Jahr einen festen Rahmen. Sie ist zudem als eine Unterstützung für Autor·innen und Künstler·innen in schwierigen Zeiten zu sehen. »Liter(N)ATUR 21! – Wir lesen in der Natur« ist ein Beitrag zur Stärkung kultureller Aktivitäten im ländlichen Raum.

www.neustadt-hessen.de

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Kulturrevier Harz e.V., Oberharz am Brocken

FREI|LUFT|KULTUR

Das Kulturrevier Harz e.V. hat sich der Förderung, Erhaltung und Bereicherung der darstellenden Kunst und Kultur in der Region Harz gewidmet. Er ist aus der Idee entstanden, die Waldbühne in Benneckenstein aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und ihr neues Leben einzuhauchen. Wir sehen den Harz als EINE Kulturregion. Obwohl er in fünf Landkreise in drei Bundesländern aufgeteilt ist, soll das Projekt länderübergreifend für den gesamten Harz wahrgenommen werden. Seit 2015 ist das Kulturrevier Harz Veranstalter des jährlich auf der Waldbühne Benneckenstein (Stadt Oberharz am Brocken) stattfindenden THEATERNATUR – Festival der Darstellenden Künste. Darüber hinaus werden neue Konzepte und Kooperationen mit Partner·innen und Organisationen entwickelt und Bildungsangeboten umgesetzt.

2021 unternimmt das KulturRevier Harz e.V. unter dem Übertitel FREI|LUFT|KULTUR erneut künstlerische Ausflüge durch die Stadt Oberharz am Brocken und bespielen mobil und bei freiem Eintritt den urbanen Raum. Gerade in Zeiten der globalen Pandemie, die besonders auch in sozialer wie kultureller Hinsicht immense Einschränkungen mit sich brachte, sollen so neue Potenziale für unerwartete Erlebnisse wie auch Gesprächsanlässe entstehen. Im Zeitraum zwischen Juni und September sind aktuell 4 Lesungen geplant, welche allesamt – wenn auch aus interdisziplinären Perspektiven – mit darstellerischen Mitteln literarische Vorlagen zum Leben erwecken. Neben einer musikalischen Lyrik- und einer artistischen Kafka-Lesung sind ein videografisch ergänzter Abend zu Harzer Sagengut sowie eine interaktive Performance für junge Zuschauer·innen geplant.

www.kulturrevier-harz.de

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© Frank Drechsler

Stadtbibliothek Penzlin

Idylle und Anti-Idylle

Die Stadtbibliothek Penzlin gehört seit Jahrzehnten zu den kulturellen Akteuren der Region im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Mit ihrem Angebot erreicht sie Leser·innen und Nutzer·innen aller Altersgruppen aus der Stadt, ihren Ortsteilen  und ihrer ländlichen Umgebung. Im November 2018 konnte die Stadtbibliothek in das zentral am Markt gelegene Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus einziehen. In diesem historischen Fachwerkhaus mit modernem Anbau befinden sich auch eine Johann-Heinrich-Voß-Ausstellung, die Touristinfo und das Stadtarchiv. Mit einem modernen Veranstaltungssaal sowie einem schön gestalteten Innenhof sind hier optimale Möglichkeiten für die Durchführung von Lesungen, Theateraufführungen und Konzerten geschaffen worden. In Kooperation mit dem Penzliner Kulturverein e.V. wurde 2019 eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die ein stetig wachsendes dankbares Stammpublikum sowie Tourist·innen erreicht.

Unter dem Titel »Idylle und Anti-Idylle« wurde eine Reihe aus fünf Veranstaltungen konzipiert, welche von Juni bis Oktober 2021 stattfinden werden. Aspekte und Interpretationen des Themas »Landschaft« aus mehreren literarischen Epochen werden aufgezeigt.  Dabei liegt der Fokus auf der literarischen Darstellung der mecklenburgischen Region. Als Auftakt werden in »Sagenhafte Landschaft« Sagen über die Entstehung von Landschaft vorgestellt. In »Literarische Landschaft« stehen Landschaftsbeschreibungen aus den Werken von Johann Heinrich Voß im Mittelpunkt. Im Podiumsgespräch »Landschaft als Rückzugsort« vermitteln Ulrike Bliefert, László I. Kish und Dirk Meißner Einblicke in ihr Leben und literarisches Schaffen im Spannungsfeld zwischen Großstadt und Rückzugsort Mecklenburg. In »Vernarbte Landschaft« gibt Wolfgang Rieck einen Einblick in das literarische Schaffen sowie den Briefwechsel von Ernst Barlach. Landschaftsparks werden unter »Geformte Landschaft« literarisch thematisiert.

www.amt-penzliner-land.de/Bibliothek

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Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus mit der Stadtbibliothek Penzlin, © Irmtraut Kittner

Kirchgemeinde Pomßen-Belgershain

Nacht der offenen Dorfkirche 2021: Threna oder Wunder entdecken

Wo ist das Parthenland? Kennt es jemand? Am Rande von Leipzig gelegen, von der Autobahn aus zwischen Leipzig und Grimma ein grüner Streifen Wald, Felder – und dazwischen Dörfer mit langer Geschichte und vielen Geschichten. Seit vielen Jahren beteiligen sich die Kirchgemeinden Pomßen-Belgershain und Köhra an der Nacht der offenen Dorfkirche, einem Projekt des Kirchenbezirks Leipziger Land.

Was ist das Besondere daran bei uns? Wir haben uns entschieden jedes Jahr eine unserer sechs Kirchen ins Zentrum zu stellen. Eine kleine Dorfkirche, prägend für die Kultur des Ortes und ein Speicherort alter Geschichten, die es zu entdecken gilt. In diesem Jahr ist es die Martinskirche in Threna. Ihre Ursprünge liegen im Dunkeln. Vermutlich stammen die ersten Mauern aus dem 13. Jahrhundert. Vielleicht gab es einmal ein Kloster?

Heute ist sie vor allem ein Ort der Stille. Und sie ist bedroht. Denn die Klimaveränderungen haben vor allem einer Käferart genutzt, die die Holzkonstruktion bedroht. Darum möchten wir ihre Wunder neu betrachten, Spenden für den Bau sammeln. Unterstützt werden wir dabei in diesem Jahr von dem wunderbaren Titus Müller, der mit seinen Romanen und spirituellen Büchern auf die kleinen und großen besonderen Geschichten des Lebens sieht.

www.pfarramt-pomssen.de

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METIS e.V., Poppendorf

Prosanova MV

Lesebühnenautor·innen aus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und anderen Orten finden sich einmal im Jahr für ein dreitägiges Lesebühnen-Festival auf dem Recknitzberg zwischen Wiese, See und Lagerfeuer zu einer Art Literatur-Ferienlager für Erwachsene zusammen. Die wiederum bringen auch ihre Kinder mit und so gibt es auch ein eigenes Kinderprogramm an Lesungen. Unter den Lesenden sind etablierte Autor·innen ebenso wie absolute Newcomer. Ein Austausch über den Literaturbetrieb braucht hier keine Podiumsdiskussion, sondern passiert beim Frühstück auf der Wiese und das Publikum sitzt daneben und nicht nur davor. Alltagsgeschichten, Romanauszüge und Lyrik machen das Bühnenprogramm aus, aber auch Live Musik. Die kurzen Texte machen den Zugang zu Literatur leichter und das Miteinander während der drei Tage ermöglicht Kontakte, die in der klassischen Bühnensituation nicht entstehen würden.

Prosanova in Rostock gibt es seit April 2004 und seit 2017 die dreitägige Lesebühne als Landpartie.

www.prosanovamv.org

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Familienzentrum Preetz und Umgebung beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises Plön-Segeberg

Lesefest Preetz – Literatur auf dem Spielplatz

Veranstalter des 1. Preetzer Lesefests sind die Stadtbücherei, die Volkshochschule, das Familienzentrum sowie die Literaturwissenschaftlerin Charlotte Reimann.

Die Stadtbücherei ist DER Ort für Bildung und Kultur in Preetz. Mit einem breiten Bildungsangebot schafft die Preetzer Volkshochschule die Grundlage für Bildungsgerechtigkeit. Im Preetzer Familienzentrum der Diakonie finden Familien Unterstützung bei allen Fragen und Anliegen rund um ihren Alltag. Charlotte Reimann hat sich das Lesefest ausgedacht, um ganz Preetz und möglichst viele Kinder fürs Lesen zu begeistern. Denn Lesen ist die zentrale Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg und Integration.

Preetz ist eine Kleinstadt südöstlich von Kiel im Kreis Plön in Schleswig-Holstein und mit rund 16.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis. In Preetz leben 2.750 Kinder und Jugendliche. Um den jungen Besuchern des Lesefests und den nachfolgenden Generationen den größtmöglichen Freiraum zu geben, ihr Lebensumfeld selbstbestimmt zu gestalten, wollen wir das Lesefest klimaneutral veranstalten.

Früher war mehr Bullerbü – haben Kinder heute immer weniger Bezug zur Natur? Mit dem Preetzer Lesefest gehen wir raus in die Stadt und veranstalten Literatur auf dem Spielplatz. Wir möchten die Kinder aus ihren Kinderzimmern locken und sie mit Geschichten verzaubern. Und gemeinsam mit ihnen und ihren Familien ein großes Fest feiern.

Dazu haben wir Autor·innen eingeladen, die »Landschaft« auf ganz unterschiedliche Weise erzählen. Reale und fantastische Geschichten mischen sich mit Gedichten und Reportagen. Das Programm greift aktuelle Themen auf: Klimawandel, Heimatlosigkeit und das Ankommen in einer neuen Welt. In verschiedenen Workshops können die Teilnehmer·innen eigene Geschichten zeichnen, erfinden und improvisieren. Mit dabei ist auch die Kieler Experimentierwerkstatt Musiculum mit Instrumenten aus aller Welt. Zum Abschluss des Lesefestes gibt es einen großen Dichterwettstreit in Form eines Poetry Slams, zu dem alle Preetzer·innen eingeladen sind.

Mit dem Lesefest möchten wir Kindern unabhängig von ihrer kulturellen, sozialen und sprachlichen Herkunft Teilhabe an kultureller Bildung ermöglichen.

www.lesefest-preetz.de

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Bücherzauber e.V., Schöneiche bei Berlin

Tage des offenen brandenburgischen Buches

Die Tage des offenen brandenburgischen Buches gehen auf die Initiative des in Niederfinow ansässigen Grafik- und Kommunikationsdesigners Hans Jörg Rafalski zurück. Seit 1995 führt der Freiberufler eine Ideenagentur für konzeptionelle Kommunikation und Gestaltung. Seit 2016 schreibt und veröffentlicht er in seinem Verlag Papierwerken, 2018 initiierte er die Messe »Schöne Bücher aus Brandenburg« und 2019 die »Tage des offenen brandenburgischen Buches«. Um deren weiter entwickelte Zweitauflage zu ermöglichen, ging er aus einer mehrjährigen konstruktiven Abstimmungspartnerschaft mit dem Bücherzauber e. V. aus Schöneiche bei Berlin eine aktive Kooperation ein. Der Bücherzauber richtet mit der BUCHBERLIN die drittgrößte Buchmesse Deutschlands aus. Der Bücherzauber engagiert sich für die freie Literaturszene und die Leseförderung in Berlin und Brandenburg. Seit 2017 organisiert der Verein mit der BUCHBERLINkids den ersten Bucherlebnistag für Kinder.

Brandenburg ist ein Land, in dem die Literatur nicht im Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung steht. Einen Beitrag dafür zu leisten, das zu ändern, ist Anliegen der »Tage des offenen brandenburgischen Buches«. Die sind als ein Literaturfestival gedacht, auf dem die kreative Buchszene Brandenburgs in Analogie zu den Tagen der offenen Ateliers und der offenen Denkmäler ihr Podium erhält. Nicht nur bekannte Autorinnen und Autoren werden ihre Werke vorstellen, sondern auch weniger bekannte sowie Buchverlage, Verlagsprojekte und Buchkünstler·innen. Die Veranstaltungen zu den 2. Tagen des offenen brandenburgischen Buches gruppieren sich 2021 rund um den »Welttag des Buches« am 23. April. Außergewöhnliche Orte, wie z. B. Schlösser, Gärten, Theater, Kirchen oder auch Cafés, die sich durch ihren individuellen Charakter auszeichnen, werden stimmungsvolle Rahmen für Lesungen oder auch szenische Darbietungen bieten. Die Idee von »Tagen offener Bücher« ist dabei durchaus so gedacht, von der Buchbranche anderer Bundesländer übernommen zu werden.

www.brandenburger-buecher.de

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Am Eröffnungstag der Ausstellung »Schöne Bücher aus Brandenburg« im Frankfurter Kleist-Museum. Die Bücher der edition Galerie Vevais bieten immer eine Dimension über das Bekannte hinaus. © Thomas Richert, Der Fabrik Verlag, Cottbus

Ehrenamtlich betriebene Bibliothek Schönwalde-Glien, Buch & Co.e.V.

Fontane trifft Slam am Schwanenweiher

Buch & Co. e.V. betreibt und fördert seit 16 Jahren erfolgreich die Bibliothek Schönwalde-Glien. 8,9 % der Einwohner·innen Schönwaldes sind eingeschriebene Leser·innen. Neben der Ausleihe lesen wir regelmäßig in den Kitas und Schulen, sowie in der Diakonie vor und organisieren pro Jahr ca. 90 Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene. 2017 erhielt der Verein den ersten Preis der landesweit ausgeschriebenen Auszeichnung »Freundeskreis des Jahres« vom Deutschen Bibliotheksverband.

Der Verein zur Erhaltung und Förderung des Charakters von Schönwalde e.V. (EFCS e.V.) wurde 1998 gegründet und verfolgt das Ziel, den Waldcharakter von Schönwalde Siedlung und die damit verbundene naturnahe Wohnqualität zu erhalten. Wir versuchen mit Informationsveranstaltungen, Aktionen und Apellen auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Des Weiteren verfolgen wir auch neue Ideen und gemeinnützige Projekte, um den Zusammenhang zwischen Wohnen und Natur hervorzuheben. Beispielhaft sei hier die Anlage des Parks am Schwanenweiher genannt, wo wir Veranstaltungen in naturnaher Umgebung durchführen.

Die seit 16 Jahren vom Verein Buch & Co. e.V. ehrenamtlich betriebene Bibliothek Schönwalde-Glien kooperiert mit unterschiedlichsten Vereinen, um kulturelle Veranstaltungen auch außerhalb der Bibliotheksräume durchzuführen. In Zusammenarbeit mit dem Verein EFCS e.V. (Verein zur Erhaltung und Förderung des Charakters von Schönwalde/Havelland) werden wir im kommenden September eine Open-Air-Lesung auf der Wiese am Schwanenweiher durchführen, die von einem Ensemble aus sechs ca. 350 Jahre alten Stieleichen umgeben ist. Unter dem Titel »Fontane trifft Slam« möchten wir unterschiedliche Generationen unserer Gemeinde ansprechen und zusammenbringen. Zunächst wird der Stimmspieler und Schausprecher Dirk Lausch aus den »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« lesen. Anschließend wird der Poetry Slammer Jesko Habert Texte zum Thema »Landschaft« vortragen. Mit Jazzvariationen von Ralf Meyer Wilmes und Suse Heinrich (Gitarre und Saxophon) sowie zwei Leinwänden, auf denen historische und aktuelle Landschaftsbilder des Havellandes projiziert werden, wird die Lesung untermalt.

www.bibliothekschoenwaldeglien.de

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Europäisches Laboratorium, Schwalenberg

Schauplatz Landschaft: Der Landschaft zuhören – Die Landschaft zur Sprache bringen

Der Verein Europäisches Laboratorium hat sich 2019 in Schwalenberg gegründet und ist eine freie Kultureinrichtung, die mit Partnern aus der Region sowie überregional und international kooperiert. Europäisch ist der ehrenamtlich arbeitende Vorstand und der Beirat.

Wir möchten Begegnungen ermöglichen, bei denen Leser·innen u.a. mit Schriftsteller·innen, Künstler·innen, Musiker·innen und Forscher·innen in einen Dialog kommen. Es wird innerhalb eines gemeinsamen Lesens und Zuhörens nach Europa gefragt, dem Unterwegssein zwischen Regionen, Sprachen, Kulturkreisen. Literaturangebote werden auch für Kinder und Jugendliche entwickelt und machen sie mit einer Lesepraxis vertraut: Das Lesen ist eine aktive künstlerische Tätigkeit. Literatur entsteht im Lesen, jede Annäherung bedeutet ein Neu-Schaffen des Textes.  Was kann gelesen werden: Buchstaben, Bücher, Bilder, Musik, Tanz, Architektur, auch Landschaften.

Wir arbeiten daran, das Lesende Haus aufzubauen, das als vielseitig zu bespielender Ort auch zur Lebendigkeit der mittelalterlichen Fachwerkstadt Schwalenberg beiträgt.

Schwalenberg mit seiner Umgebung, dem Teutoburger Wald und dem Weserbergland, ist eine reiche Literaturlandschaft voller bedeutender geschichtlicher Ereignisse. Die literarischen Zeugen der Vergangenheit Annette von Droste-Hülshoff, Peter Hille, Friedrich Spee von Langenfeld kommen in Lesungen u. a. von Corinna Harfouch und Barbara Nüsse zu Wort. »Schauplatz Landschaft« – gemeint ist damit, dass eine schöne Landschaft nicht »unschuldig« ist, sondern sich in ihr Spuren und Wunden der Geschichte zeigen: Hexenverfolgung, Pranger-Bäume, Schauplatz Dreißigjähriger Krieg / Siebenjähriger Krieg, Militärbasis im Kalten Krieg. Über diese heute oft fast überwachsenen und verborgenen Zeichen werden Nora Bossong, Marion Poschmann und Levin Westermann recherchieren, arbeiten und schreiben. Dazu werden sie sich in Schwalenberg aufhalten, mit Bürger·innen und Expert·innen sprechen und die Landschaft erkunden. Die entstehenden Texte kommen dann später zurück und werden in Schwalenberg vorgetragen und diskutiert.

»Schauplatz Landschaft« wird auch gefördert von: NRW Stiftung, LWL Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Lippe-Impuls Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe

www.eu-lab.de

Und seitab liegt die Stadt 2021

Nora Bossong

Förderverein Stadtbücherei Steinfurt, Steinfurt

LandschaftsBEschreibungen

Beschreibungen von Natur und dem Leben der Menschen in und mit ihr ziehen sich durch Lyrik und Prosa aller Epochen. Moderator·innen und Künstler·innen der Reihe laden zum Wandern auf realen und literarischen Routen ein.

Eine spannende literarische Landvermessung unternehmen zum Start die beiden Moderatoren Matthias Engels (Steinfurt) und Thorsten Trelenberg (Dortmund) am Fr., d. 23.04.2021.

Den Blick von außen richtet im Frühjahr die Lyrikerin und Musikerin Liza Dushina (Dortmund) als »Stadtschreiberin light« auf ihre Umgebung.  Drei Tage lang beobachtet sie das Leben in  Steinfurt und dem Münsterland (07. –  09.05.21).

»Flusspoet« Thorsten Trelenberg (Dortmund) erwandert am 15.05.21  mit einer Gruppe Interessierter rund um die Stadt eine Poesie-Oasen-Route.

Multimedia-Künstler Stefan Brand (Mainz) sammelt an zwei Tagen im Sommer Alltags-Fundstücke in und um Steinfurt. Daraus erstellt er erstaunliche Collagen (08./09.06.21).

Eine Gruppe von Schüler·innen erarbeitet an zwei Tagen in den Herbstferien mit dem Autor und Illustrator Hans-J. Feldhaus einen bebilderten Stadtführer für Kinder (22./23.10.21).

Die interdisziplinäre Präsentation zum Abschluss am Fr., d. 12.11.21 versammelt sämtliche Ergebnisse der vielseitigen Reihe in Texten, Collagen, Fotos und Filmen.

www.steinfurt.de

Und seitab liegt die Stadt 2021

Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg e.V. | Literaturhaus Oberpfalz

Landschaften – Denkräume im Kopf. Moderierte Lesung und Gespräch mit Nico Bleutge und Anja Kampmann

Das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg e.V. | Literaturhaus Oberpfalz ist der Literatur doppelt verpflichtet: als Archiv und Gedächtnisort für deutschsprachige Gegenwartsliteratur seit 1945 und als Veranstaltungsort für alle Spielarten zeitgemäßer Literaturvermittlung.

Gegründet wurde die Institution 1977 von Walter Höllerer, Autor, Literaturwissenschaftler und -kritiker, Mitglieder der »Gruppe 47« und Herausgeber der Zeitschriften »Akzente« und »Sprache im technischen Zeitalter«. Seine Sammlungen bilden den Grundstock für die Archivbestände, ergänzt durch Bestände regionaler Literatur.

Seit seiner Gründung erfüllt das Literaturarchiv – untergebracht in einem prächtigen Neo-Renaissancegebäude, das vormals als Amtsgericht diente – die Funktion eines Literaturhauses für die Region mit überregionalen und internationalen Verbindungen. Das Veranstaltungsprogramm lebt von der Präsentation aktueller literarischer Neuerscheinungen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs richtet sich der Blick auch auf die Literaturszenen in Mittel- und Osteuropa. Besonders nachhaltige Kontakte bestehen ins Nachbarland Tschechien. Kooperationen mit dem Prager Literaturhaus und dem Tschechischen Literaturzentrum ermöglichten einen regen Austausch mit der tschechischen Literaturszene. Seit 2012 ist das Literaturhaus Oberpfalz Mitglied der Bayerischen Akademie des Schreibens und veranstaltet in Kooperation mit dem Literaturhaus München regelmäßig Schreibseminare. Alle zwei Jahre richtet das Literaturhaus die »Regionalbuchmesse Oberpfalz« aus.

Von den Weiten (vermeintlich) unberührter Naturlandschaften bis hin zu den »lost places« verödeter Industrielandschaften, die von der Natur zurückerobert werden – für Literatur, insbesondere für die Lyrik, bietet Landschaft in ihren unterschiedlichen Ausprägungen stetig Anreize zur Auseinandersetzung.

In Lesung und Gespräch mit dem Lyriker und Essayisten Nico Bleutge und der Lyrikerin und Romanautorin Anja Kampmann soll dieser Befund weiter ausdifferenziert werden. Was macht Landschaft aus? Was prädestiniert den poetischen Blick für die Vermessung von Landschaft? Wie öffnen umgekehrt Erfahrungen in und mit einer Natur- oder auch Kulturlandschaft Denkräume im Kopf? Wie werden geografisch definierte Landschaften durch Literatur und Kunst mythisch aufgeladen? Was haben Landschaft und Heimat miteinander zu tun? Und berührt die poetische Auseinandersetzung mit einer Landschaft auch gesellschaftspolitische Diskussionen um Artenvielfalt, Klimawandel und Naturschutz? Um diese Fragen sollen Lesungen und Gespräch drehen.

www.literaturarchiv.de

Und seitab liegt die Stadt 2021

kulturWERKwissen gGmbH, Wissen

Westerwälder Literaturtage für Kinder und Jugendliche

Die Halle Kulturwerk Wissen, 2009 eröffnet,  ist die ehemalige Ausbildungs- und Reparaturwerkstatt des 1995 geschlossenen Wissener Walzwerks. Mit viel ehrenamtlichem Engagement der Wissener eigenART und Hilfe aus Stadt und Verbandsgemeinde und dem Förderverein kulturWERKwissen entstand etwas Neues auf historischem Boden: eine moderne Halle der Industriekultur mit rund 100 Veranstaltungen und ca. 40.000 Besuchern pro Jahr. Die gemeinnützige GmbH kulturWERKwissen veranstaltet seit 2017 auch die Westerwälder Literaturtage und ist damit auch außerhalb des Standorts in den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwald tätig.

Im Rahmen der 20. Westerwälder Literaturtage soll ein spezielles Angebot geschaffen werden, das Kindern und Jugendlichen eine Begegnung mit Literatur ermöglicht. Dies wird u.a. in Form von Lesungen außerhalb des Schulbetriebs, bevorzugt in Büchereien und Veranstaltungsräumen, erfolgen. Angefragt sind dafür Anu und Friedbert Stohner und Ute Krause. Literaturgebundenes Puppentheater (Petterson und Findus, Nils Holgerson) und musikalisch-literarische Aufführungen (Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl) sind ebenfalls vorgesehen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der eigenen Produktion von Texten (Poetry-Slam-Workshops) und in der Verwandlung von Texten in kleine Theaterstücke, die dann schauspielerisch umgesetzt und vorgetragen werden.

www.kulturwerkwissen.net

Und seitab liegt die Stadt 2021

© Peter Bongard, Rhein-Zeitung

Joachim-Ringelnatz-Verein e.V., Wurzen

Kringel à la Ringel. Auf den Routen des reisenden Artisten 

»Kringel à la Ringel« – die Zeile ist aus einem Gedicht von Ringelnatz-Fan Peter Rühmkorf – umfasst einen überregionalen Gedichtwettbewerb, der Schaffensorte des Dichters Ringelnatz »einkreist«, und vier Publikumsveranstaltungen in seiner Geburtsstadt Wurzen: Jazz zu den »Reisebriefen eines Artisten«, Workshops und die Präsentation der Siegergedichte. In den Wettbewerb treten Dichter·innen aus den unzähligen Orten, an denen Ringelnatz auf der Kabarettbühne stand. So spannt sich der Bogen zwischen dem Geburtshaus des Dichters und den Stationen seiner künstlerischen Vortragsreisen auf; »Literaturorte« werden kenntlich und sinnlich erfahrbar gemacht. Das Projekt wird wöchentlich in den sozialen Medien begleitet. Das Ergebnis – Ringelnatz’ Reiseroute mit Fotos der Örtlichkeiten, das am Ort entstandene Ringelnatzgedicht nebst Wettbewerbsgedichten  – wird als Medieninstallation im Ringelatz-Geburtshauses die Stationen des »reisenden Artisten« zeigen.

www.ringelnatz-verein.de

Und seitab liegt die Stadt 2021

»Und seitab liegt die Stadt« ist ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Literarischen Colloquiums Berlin. Es wird gefördert im Rahmen des BKM-Förderprogramms »Kultur in ländlichen Räumen«. Die Mittel stammen aus dem Bundesprogramm »Ländliche Entwicklung« (BULE) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

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