JUNIVERS DIGITAL

Eine Kooperation von LCB und TOLEDO.

Mit Marina Agathangelidou, Christian Filips, Jo Frank, Odile Kennel, Asmus Trautsch, Lea Schneider, Tillmann Severin, Aldo Medeiros, Anne Posten, Masha Qrella, Kamilla Raffo, Felix Schiller, Hans Thill und Leopold von Verschuer

Kuratiert von Aurélie Maurin.
Redaktion: Kathrin Bach

 

Der JUNIVERS-Raum

Das internationale Lyrikübersetzertreffen JUNIVERS wird ein Jahr weitergedreht (neuer Termin: 7.–14. Juni 2021), weitet sich 2020 aber in den virtuellen Raum aus. Hier entsteht ein JUNIVERS-Raum, in dem die Juniversalist·innen kleine poetische Zeichen setzen. Versammelt sind viele Orte, Stimmen und Verse – angefangen mit Berlins Lyrikszene, einem Besuch bei Jo Frank im Verlagshaus Berlin, einem Spandauer Ballett mit Lesungen und Spaziergängen, bis hin zur Performance »Luna Luna Luna, im Juniversum von Maren Kames« in den Poesiekanälen von Lyrikmarkt und Poets‘ Home (Corners), im Rahmen des 21. Poesiefestivals Berlin.

Zu erleben ist eine rasante Fahrt durch die Poetik Valère Novarinas und durch das Fegefeuer seines Übersetzers Leopold von Verschuer (ein Carepaket der Burg Hülshoff) sowie eine Reihe von Poetryclips und Grußbotschaften aus aller Welt. Erste Einblicke eröffnen sich auch in das Lyrikjournal zur Übersetzung von Kostas Karyotakis. Außerdem: der Übersetzer Aldo Medeiros, der aus Brasilien Lyrikvertonungen von Elsa Lasker-Schüler sendet, und die Songwriterin Masha Qrella, die mit der Popbearbeitung ihres Lieblingsgedichts von Thomas Brasch unseren poetischen Kosmos weiter ausdehnt, bis zum Platz der Revolution: „Wenn man woanders wär (…) / Nur woanders / aber wo nur, wo, wo ist man woanders / wo ist man denn anders?“

I. DAS BERLINER PROGRAMM

Zu Besuch im Verlagshaus Berlin

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Eine Grußbotschaft aus dem Verlag

Mit Jo Frank, Lea Schneider, Odile Kennel, Tillmann Severin, Asmus Trautsch, Ludwig Lohmann

Das Verlagshaus Berlin

Wir sind ein Independent-Verlag für Lyrik und Illustration. Unser Programm umfasst Gegenwartsliteratur und Wiederentdeckungen aus dem deutschen und internationalen Sprachraum. Anspruchsvolle Typografie, die Verwendung ausgesuchter Papiere und langlebige Fadenheftungen machen unsere Bücher zu kostbaren Gesamtkompositionen.

Wir veröffentlichen Autor·innen, durch deren Schreiben Positionen zum Ausdruck kommen. Neben die Texte tritt die Illustration als gleichberechtigte Ausdrucksform. Aus Gedichten und Bildern spricht der Mut, Themen auszuformulieren und die Avantgarde über ihre ästhetische Funktion hinauszuführen. In unseren Übersetzungen und Nachdichtungen erkunden wir Sprachen, Literaturen und damit Inhalte, die wenig präsent sind. Damit erweitern wir die Lyriklandschaft um Stimmen, die sonst nirgendwo hörbar sind.

Im Verlagshaus Berlin entstehen Bücher, die in der Entfaltung zweier Medien Universen auf kleinstem Raum erschaffen. Seit 2005 wird das Verlagshaus von Andrea Schmidt, Jo Frank, Dominik Ziller und Tillmann Severin geführt. Poetisiert Euch.

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POET’S HOME (Corners) SPANDAU

Der Besuch von Poet’s Corners Spandau des 21. Poesiefestivals hätte Teil des JUNIVERS-Programms sein sollen: Mit unseren internationalen Gästen wären wir vor Ort in Spandau gewesen ─ das können wir jetzt alle gemeinsam virtuell nachholen:

Mit Tim Holland, Georg Leß, Dilek Mayatürk, Ron Winkler, Judith Zander, Aurélie Maurin und David Wagner

LUNA LUNA

Die beiden Juniversalistinnen aus dem letzten Jahr, Marina Agathangelidou und Kamilla Raffo, übersetzen die Lyrikerin Maren Kames im virtuellen Buchengarten des Poesiefestivals:

Marina Agathangelidou, geboren 1984 in Athen, lebt seit 2010 in Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft und literarisches Übersetzen in Athen und promovierte anschließend am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin. Seit 2006 ist sie als freie Übersetzerin tätig. Sie übersetzte u. a. Werke von Terézia Mora und Gerhard Falkner ins Griechische. Veröffentlichungen (Gedichte, Essays, Rezensionen) in verschiedenen Zeitschriften und Online-Medien. Sie ist Jurymitglied beim Übersetzungsförderungsprogramm Litrix.de des Goethe-Instituts (2019-2021: Schwerpunkt Griechisch) und arbeitet für die Lettrétage.

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Marina Agathangelidou

Kamilla Raffo geboren 1984 in Budapest, lebt seit 2013 in Berlin. Sie studierte zunächst Germanistik und Hungarologie in Budapest, dann in Wien und an der Freien Universität Berlin. Sie ist als freie Dozentin und Übersetzerin tätig und übersetzt aus dem Deutschen und ins Deutsche. Momentan arbeitet sie am Gedichtband Kalk von Péter Závada, dem jungen Budapester Lyriker.

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Kamilla Raffo

II. UNTERWEGS & WOANDERS

Hans Thill: Was sagst Du

»Ein Lauf am Neckar, dessen Name sich vom keltischen nik ableitet und das heißt: sehr eilig, überstürzt. So kommt der Fluß-Lauf der Kommentare zustande, der Fragen, die sich im Juni 2020 stellen.« Hans Thill

Hans Thill, geboren 1954 in Baden-Baden, lebt in Heidelberg. Verlegerische Tätigkeit bis 2010. Seither Leiter des Künstlerhauses Edenkoben. Zahlreiche Übersetzungen aus dem Französischen. Herausgeber (zus. mit Michael Braun) zahlreicher Anthologien zur Gegenwartslyrik, Herausgeber zahlreicher Anthologien internationaler Lyrik. Zuletzt erschienen Prosa: Das Buch der Dörfer, Matthes & Seitz, Berlin 2014. Gedichtbände: Ratgeber für Zeugleute, Brueterich Press Berlin und Rettenegg 2015; Der heisere Anarchimedes, Poetenladen, Leipzig 2020. Postet Texte in: www.der-goldene-fisch.de. Betreibt einen internationalen Friedhof der Poesie in: http://www.poetenladen.de/stelen

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Hans Thill. Copyright: Annette Mueck

Ein Gruß von Aldo Medeiros
Bonifácio aus Rio de Janeiro

Warum vertonst du diese Gedichte?

»Ich glaube, durch meine Vertonungen realisiere ich eine besondere (und scheinbar unwahrscheinliche) Begegnung zweier Quellen immerwährender Schönheit: der deutschen Dichtung und der brasilianischen Musik. Die Kraft der Gewohnheit spielt auch eine Rolle, denn ich schreibe selbst Lieder, seit ich ein Jugendlicher war. Zum Scherz sage ich auch: aus reinem Neid! Wieso habe ICH diese Gedichte nicht geschrieben?! Es wäre dann irgendwie, als ob ich Hesse, Rilke, Else durch die Lieder zu einem Kaffee einladen könnte!«

Ist es auch eine Art Lyrikübersetzung?

»Auf jeden Fall! Beim Lesen fällt mir oft schon die innerliche Melodie des Gedichts ein. Dann widme ich einfach dazu, die Verse in eine universelle Sprache – die Musik – zu übersetzen, so dass jeder an jeder Ecke der Welt es genießen kann. Und Schönheit zu teilen gefällt mir wirklich sehr!«

Aldo Medeiros Bonifácio (*1961) ist Deutschlehrer, Übersetzer, Musiker, Komponist und Lyriker aus Rio de Janeiro, wo er am Goethe Institut unterrichtet und verschiedene Kulturprojekte entwickelt. Er hat die Independent-CDs “Deixe eu te dar um toque” (2002) und „Sucessos Inéditos“ (2015) herausgebracht und auch das Projekt “MusiLyrik” (2009) entworfen, durch das er die Gedichte von deutschsprachigen LyrikerInnen vertont hat, u.a. Hesse, Rilke, Stefan George und Else Lasker-Schüler. Als Übersetzer hat er Walter Benjamins „Rundfunkvorträge – Aufklärung für Kinder“ (Suhrkamp), „Heimatcontainer – Deutsche Fertighäuser in Israel“ (Friedrich von Borries & Jens Uwe Fischer – Suhrkamp) und Terézia Moras ersten Roman „Alle Tage“ (Luchterhand) ins brasilianische Portugiesisch übersetzt, die im Editora Nau erschienen sind (http://www.naueditora.com.br/). Er ist auch seit 2009 als Gastmusiker in den Theatergruppen Clube da Cena und Teatro do Nada (Improvisationstheater) tätig, für die er zahlreiche Lieder geschrieben hat.

 

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Aldo Medeiros Bonifácio

Christian Filips: Ende. Einde. Und.

Übersetzen als historische Aufführungspraxis ǀ
Eine „Visioen“ der flämischen Nonne Hadewijch (um 1250)

In seinem Videobeitrag fragt sich der Lyriker und Regisseur Christian Filips, ob es ein Übersetzen als historische Aufführungspraxis geben kann. Am Beispiel einer „Visioen“ der flämischen Beguinen-Nonne Hadewijch (aus dem 13. Jahrhundert) stellt er Reflexionen über die diachronen Dimensionen des Übersetzens an, denkt über eine löchrige, nicht binäre, „queere“ Form der Grammatik nach, hört auf den spröden Klang des Original und auf das, was die Dichterin selber gehört haben könnte, als sie ihre Vision als Mitschrift einer Eingebung notiert hat. Ein Echoraum durch die Jahrhunderte, begleitet von einer szenische Performance der Schauspielerin Susanne Bredehöft.

Christian Filips lebt als Dichter, Regisseur und Musikdramaturg in Berlin. Von 2000 bis 2007 studierte er Literatur, Philosophie, Musikwissenschaft in Brüssel und Wien. Seit 2006 ist er Programmleiter der Sing-Akademie zu Berlin und gibt seit 2010 gemeinsam mit Urs Engeler die Poesiereihe roughbooks heraus. Er inszeniert regelmäßig Opern, Volkstheaterstücken und sozialen Plastiken die u.a. am Haus der Berliner Festspiele, im Stadtraum von Mumbai, am Maxim-Groki-Theater und an der Volksbühne zu sehen waren. In seinen literarischen Texten verschmelzen Kunstreligion, Psychoanalyse und ökonomische Theorie. 2001 wurde sein erster Gedichtband „Schluck auf Stein“ mit dem Rimbaud-Preis des ORF ausgezeichnet. Zuletzt publizierte er den Gedichtband „Heisse Fusionen“ Analysen zur poetischen Ökonomie (roughbook, 2018).

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Christian Filips

Masha Qrella: Woanders

»Ich habe russische Wurzeln. Mein Bruder ist in Moskau geboren, aber ich kam in der DDR zur Welt und bin im Berlin der 90er Jahre groß geworden. Eine aufregende Zeit, aber heute würde ich sagen, dass die politische Wende meine Generation in eine Art Zwischenwelt entlassen hat. Für diesen Zwischenraum, das Leben zwischen zwei Welten, zwischen Ost und West, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Utopie und Realität hat Thomas Brasch schon viele Jahre zuvor eine Sprache gefunden. In seinen Gedichten habe ich mich wiedergefunden, mit meiner eigenen Sehnsucht nach Utopie und nach einer Haltung zu den Widersprüchen unserer Zeit. WOANDERS ist das Titelstück meines neuen Albums, welches im November 2020 beim Berliner Label Staatsakt erscheinen wird.« Masha Qrella

»Wenn man beginnt den Halt zu verlieren, bleiben den meisten nur noch die Wünsche und Träume. In Krisenzeiten brauchen wir den Mythos und das Märchen mehr denn je, das ist eine unserer wichtigsten Überlebensquellen. Die Moskauer haben sich hier ihren ganz eigenen Mythos erschaffen. Der Hund mit der abgewetzten Nase in der Moskauer U-Bahnstation Platz der Revolution steht für die Hunde, die im zweiten Weltkrieg durch die feindlichen Linien hinweg im tiefen Schnee Munition in die Stellungen der Partisanen gebracht haben. Heute, so sagt man, könne die Berührung seiner Schnauze Wünsche erfüllen. Und selbst jene, die nicht daran glauben, streicheln sicherheitshalber schnell im Vorbeigehen darüber…« Diana Näcke

Seit den 1990er Jahren ist Masha Qrella, geboren 1975, als Musikerin aktiv. Sie ist Gründungsmitglied von Mina, Contriva und der Band NMFarner. 2002 veröffentlichte sie ihr erstes Solo-Album “Luck” und definiert sich damit als Songwriterin und Solokünstlerin. Es folgen vier weitere Alben auf dem Label Morrmusic, diverse künstlerische Kooperationen, Singles und Samplerbeiträge. Sie tourt weltweit. 2007 präsentiert sie im Haus der Kulturen der Welt Bearbeitungen von Kurt Weills und Frederick Loewes Broadway-Kompositionen, die auf dem Album “Speak Low” veröffentlicht werden. Der filmische Aspekt ihrer Musik zeigt sich in der Zusammenarbeit mit Kino-Regisseuren wie Carsten Fiebeler, Andreas Arnstedt, Diana Näcke, Monika Treut, u.a. Seit 2008 ist sie als Musikerin an Arbeiten des deutsch-britischen Performance-Kollektivs Gob Squad und des Theaterregisseurs Stefan Pucher beteiligt. Im Auftrag des HAU Hebbel am Ufer vertont sie Texte von Heiner Müller (2016) und Einar Schleef (2019) und singt hier zum ersten Mal auf Deutsch. Qrellas selbst initiierte Auseinandersetzung mit Texten von Thomas Brasch führten zu ihrer ersten eigenen Produktion WOANDERS – eine Arbeit an der Schnittstelle von Konzert, performativem Textraum und Installation (UA am HAU Hebbel am Ufer (HAU2) im Dezember 2019).

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Masha Qrella. Copyright: Diana Näcke.

Anne Posten hat das Gedicht „Woanders“ von Thomas Brasch ins Englische übersetzt. Sie ist freischaffende Übersetzerin von Prosa und Lyrik aus dem Deutschen. Sie hat Germanistik am Oberlin College und Creative Writing und Literarische Übersetzung am Queens College, New York, studiert. Zu „ihren“ Autoren gehören u.a. Thomas Brasch, Uwe Kolbe, Peter Bichsel, Libuše Moníková, Peter Weber, Anja Kampmann und Ariane von Graffenried. Sie lebt und arbeitet in Berlin-Friedenau.

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Anne Posten. Copyright: Carleen Coulter.

Leopold von Verschuer: Eine Ballade durch Valère Novarinas THEATER DER OHREN

Leopold von Verschuer hat uns ein digitales Worte-Fresspaket um Valère Novarina geschnürt – und erzählt von paradiesischen Qualen im Himmel des Autoren-Homeoffice bis zu den Freuden im Fegefeuer des Übersetzers – breitet eine Wanderung erfundener Zeitennamen aus, getragen von der tastenden Stimme Angela Winklers durch den Wald der Wörter, ein Bravourstück der Wortfindungen, durchbrochen von Zurufen des Sprach-Zarathustras Adramelech, verwirbelt und entwirrt im Zahlendelirium des Schauspielers Dominique Pinon zur Formel der Zeit, die doch allein aus Sprache besteht.

VALÈRE NOVARINA
Auszüge aus
„L’animal imaginaire“ „Der Mensch außer sich“ „Der Monolog des Adramelech“

Übersetzung aus dem Französischen und Realisation:
Leopold von Verschuer

Mit: Valère Novarina, Leopold von Verschuer
Stimme: Angela Winkler

 

In einem Bonustrack, vertont und gesungen von Aurélie Maurin, begleiten wir schließlich Leopold von Verschuer in seiner rasanten Talfahrt dahinradelnd – als Mensch der glücklichen Zahlen.

Dieser Beitrag wurde gemeinsam mit der Burg Hülshoff entwickelt.

Leopold von Verschuer, zweisprachig aufgewachsen in Brüssel, bewegt sich zwischen Theater, Literatur und Radiokunst. Seine Übersetzungen aus dem Französischen erscheinen im Alexander Verlag, Theater der Zeit und seit 2011 im Verlag Matthes & Seitz. Eine besondere Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Autoren Valère Novarina (seit 1994) und Kathrin Röggla (seit 2001). Er spielte und/oder inszenierte sie u.a. in Köln, Paris, Avignon, Wien, Graz, Lissabon, Düsseldorf, Mülheim, Zürich, Genf, Lausanne und Berlin. Hörspiele realisiert er für den Bayrischen Rundfunk und Deutschlandradio Kultur, zuletzt „Luna Luna“ von Maren Kames. Als deutscher Übersetzer von Valère Novarina nahm er in Paris an den beiden ersten Ausgaben der „République des traducteurs“ teil, 2015 am Odéon Théâtre de l’Europe und 2019 am La Colline Théâtre National.

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Leopold von Verschuer. Copyright: M. Knickriem

III. JUNIVERSE

Ein Junivers ist ein Vers, der Dir im Gedächtnis geblieben ist, an dessen Übersetzung Du verzweifelt bist, ein Vers, den Du gerne geschrieben hättest ─ ein Vers, der in Deinen Juni passt.

I. Leopold von Verschuer präsentiert: Das Licht nacht. (Valère Novarina)

II. Marina Agathangelidou präsentiert: meine Arbeit war immer einfach: die Bilder zu provozieren, bis sie mich angreifen, und dann davonzulaufen. (Evgenios Aranitsis )

III. Felix Schiller präsentiert: spräche ich alle sprachen der erde / spräche ich wie alle wilden tiere / wie alle wasser des abgrunds/ alle blumensamen / würde ich den ursprung der namen vergessen / alle worte, die eine bedeutung haben / alle worte, die keine bedeutung haben / und einfach singen (Dagmara Kraus)

IV. Kamilla Raffo präsentiert: Denk mal daran, lange/ wurde gedacht, der Mond wird/ von luftfreiem Raum umgeben,/ obwohl auch er eine dünne Atmosphäre hat. (Péter Závada)

V. Odile Kennel präsentiert: (…) wüs brüngt // berühmte Gebärmütter: / die Gebärmutter von Henriette Herz / die Gebärmutter von Juana Ines de la Cruz  / die Gebärmutter von Miriam Makeba /  die Gebärmutter von Isabelle Eberhard  / die Gebärmutter von Simone Veil  / [die Gebärmutter von Trobadora Beatriz] // Herz gebärmutterseelenallein im Wartezimmer  /  de la Cruz kreuzt gar nicht erst auf  / Makeba geht in den Gebärmutterschutz  / Eberhardt gebärmütterlicherseits aus dem Baltikum  / Veil zum Glück nicht muttermundtot zu bekommen  / [nur Beatriz war noch nie beim Frauenarzt] (…) (Angélica Freitas)

VI. Aldo Medeiros Bonifácio präsentiert: und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (Hermann Hesse)

VII. Asmus Trautsch präsentiert:

This is the sadness of the sea –

waves like words, all broken –

a sameness of lifting and falling mood.

(William Carlos Williams)

 

VIII. Hans Thill präsentiert:

  Perse anda corpori arrces

von dannen: immer

als Gegensäge durch die Zähne sprechen

reißen und drücken zurück

das sagen am Atemholz.

[…]

Ulisse ta tau, davon wird man nicht satt

Atemholz. Sollte es

das geben (im Liederland). Es wächst (Daniel Heinsius )

 

Bonustrack

Marina Agathangelidou und Felix Schiller zeigen Ausschnitte aus der Übersetzung von Kostas Karyotakis‘ »Lohnarbeit« aus dem Band »Elegien und Satiren«:

JUNIVERS ist ein Kooperationsprojekt von TOLEDO und LCB. Es wird unterstützt vom Auswärtigen Amt.

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