LCB
Eine Revue gemischter Doppel

Abschweifen, eine Form von Konzentration

von Sonja vom Brocke & Daniela Seel

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Der Schreibprozess als Orientierungsbewegung, die Intransparenzen durchläuft, sie annimmt, sich umsieht, in Verstrickungen driftet, das Absurde nicht abtut, sondern hineinkriecht, inmitten

 

geschieht etwas im Entstehen, in einer Konzentration, die ich herbeiführe und doch nicht steuern kann. Im konzentrierten Abschweifen auch. Einer Ausrichtung. Ist das die Arbeit? Ein Verständnis von Ökonomie kommt nicht aus ohne Arbeitsbegriff. Ich sitze. Tippe. Mein Körper ist da, hegt eine Haltung. Gedanken. Wenn ich gehe, geraten Dinge in mich. Wo ist äußerlich? Ich will das noch offen halten, in einer Bewegung, die Wahrnehmung generiert, Sprache wird

 

Das Körpergedächtnis sammelt und streut aus, in Zellen stecken Sätze, Bakterien ziehen mit, und mit der Aufzeichnung entsteht, was die Spuren aufnimmt

 

Wie der Stein löffelte, also vom Himmel mich löffelte, als deine Füße ein Spielzeug, von Husten zerfegt, dem ich anhing. In einer Schachtel die Pizzakanten und was an einem Tisch geschieht, also darunter, daneben, daran. Wird dir so heimlich, wird dir unheimlich? Mond, dem ich anhing, meines Neins.

 

„Ein Gedicht wirft Differenzen auf, die auch einem ‚Ich‘ die ungedeckte Identität, das nicht fixierbare Übereinkommen mit sich selbst vor Augen führen können. Im laufenden Aufschub, den die eigene Negation definiert. Denn um wie viel rückhaltloser hält sich die Schreibende im Fragwürdigen, wenn sie ihr Verschwinden einholt – diesen präsentischen Entzug?“

 

Aus dem Gelenk schlürfen

Seher unter Plastik
gerufen wurde die Fledermaus
hush

 

Ambiguität ist Dynamik von Präzision, sie ist kein Schaukeln zwischen Polen, sondern Wirklichkeitskonfrontation

 

Form einer Diskretion. Ein Raumgeben. Denn es ist so: Ich glaube nicht an Hermetik. Ich glaube nicht an Vermittlung. Gedicht ist, woran ich mich erfahre, in Sprache, an Sprache, einverleibt, verausgabt ‒

 

Der Text aber folgt nicht allein der Einzelerfahrung im Unmittelbaren, sondern schließt sich kurz mit dem, worin dieses Mitwesen auch abseits von Einhegung verwickelt ist. Daisy Hildyard spricht von einem Second Body, der über die lokalen Grenzen hinauswirkt. Keine bloße, abzusondernde biografische Dimension also markiert die Verhältnisse, sondern erdumspannende Geflechte, Versehrtes, auf die Pelle gerückt. Mein Elektroschrott in Ghana, Durchlässigkeit. Das geologische Alter der Erde.

 

Am Gedicht erfahre ich das Ambigue als das Reale. Es knüpft an alles an, was da ist. Erleben, Gedanken, Erinnerung, Vorstellung, Sprache. Nimm vom Grasen das Gras. Nimm seine Geschichtlichkeit. Distribution von Samen und Saat, Habitaten. Jemand schreit. Ist das Gezähmte die Arbeit, das Zäumen? Zäunen. Auch wenn ich es anders wünschte, wie soll ein Knopf ungekämmt bleiben, da ich es doch hinschleife? Das Kleine. Aneinander, ineinander, geschieden aufmerksam. Ist noch Nutella da? Was geschieht meiner Verletzlichkeit, wenn ich sie teile?

 

Am Ungenügen. An Aufruhr. Saum.

 

„Akt und Erfahrung als Artefakt; um vertrackte Gemengelage spielerisch und unverpuppt zu erkunden. Weisungslos. Was prägt, blüht uns – und was steht dem womöglich entgegen? Ich kenne keinen Umgang mit Zeit, der aufgeschlossener durchquerte, was sein kann“

 

„Also werde ich weinen? Lernen vom Stein, / der sich barmherzig zeigt, aus Unmenschlichkeit. / Dass ich atme, wie unter Betäubung noch, brüsk, / dass ein Nicht-mehr gegen ein Noch-nicht spielt – / und vergibt? Unmenschlich. Wie alles derart bei sich ist.“

 

Rhythmus, Prosodie, sprachliche Bedingungen lenken den Verlauf, schütten aus, was nicht unbedingt zu erwarten war, subkutan aber kommuniziert. Dabei zettelt das Subkutane einen sonderbaren Komplott an mit den Zeilen, sie kehren hervor, was kein Muster imitiert – an Imitation besteht kein Interesse. Das Reale ist Umweg, artifiziell

 

Eine geteilte Zeit, verdichtete. Menschenzeit, Erdenzeit. Die ich anders anschauen kann, indem ich sie setze, mich aussetze. Sein lasse. Bitte stört was? Stört mich auf, was ich kaum greifen kann. Stimmt mich an. Was will ich verlernen? Meine verwaschene Hand. Sie entsteht nicht bloß am Knopf, sie verwächst sich, arbeitet noch.

 

Gestrüpp, Müll, ein rabenschwarzes Wappen

 

Sinn erzeugen per Staffelung? Wie wächst das Nussfleisch?

Lauf über. — Aber sie öffnen nicht!

Lotsen Kriege, einvernehmlich, Leuchtscheiben schießen schräg aus den Torsi.

Abwärts, geschwind, als Bedingung für Saumseligkeit, keine andere.

 

„Das Kalbleid zu beklagen, hilft dem Kalb, das wir essen, nicht?“

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Abschweifen, eine Form von Konzentration
Abschweifen, eine Form von Konzentration
Abschweifen, eine Form von Konzentration
Abschweifen, eine Form von Konzentration
Abschweifen, eine Form von Konzentration
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