Robert Menasse: »Die Vertreibung aus der Hölle«

Lesung: Robert Menasse
Moderation: Sigrid Löffler

Endlich ist es soweit: sechs Jahre hat der österreichische Autor Robert Menasse (»Sinnliche Gewißheit«, »Selige Zeiten, brüchige Welt«, »Schubumkehr«, Suhrkamp Verlag) die literarisch interessierte Welt auf seinen neuen Roman mit dem Titel »Die Vertreibung aus der Hölle« (Suhrkamp) warten lassen. Nun liegt er vor. Kein Zweifel, die Wartezeit hat sich gelohnt. Denn auch mit diesem weit ausholenden, Jahrhunderte zusammenschnurrenden und doch zeitgenössischen Projekt geht der Schriftsteller nach allen Regeln der Schreibkunst aufs nicht zu erkennende Ganze. Menasse tut das, indem er seinen Lesern kurzweilige Geschichten erzählt: amüsante, todtraurige und geistreiche, euphorisch, melancholisch oder auch nachdenklich stimmende Geschichten aus verschiedenen Perspektiven; Geschichten über faszinierende Ideen, bezaubernde Orte und Menschen aus verschiedenen Epochen. Auf den virtuos miteinander verbundenen (Lebens-)Wegen seiner Protagonisten entstehen zwischen den Zeilen exemplarische Biographien im Spannungsfeld von Liebe und Gewalt, Sehnsucht und Verfolgung; mehr noch, es entsteht die große, die allzu menschliche »Historie« oder besser das, was wir gewohnt sind, so zu nennen: eine absurde Geschichte der omnipräsenten Geschichtsklitterung in entzauberten Zeiten, die sinnlich erfahrbare, aber stets zusammenfabulierte Geschichte schlechthin: »Die Hölle erkennen wir immer erst rückblickend. Nach der Vertreibung. Solange wir in ihr schmoren, reden wir von Heimat.«

03.09.01

Montag

Ort

Literarisches Colloquium Berlin · Am Sandwerder 5 · 14109 Berlin

Teilnehmer•innen

Robert Menasse, Sigrid Löffler

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