LCB
Barbaros Altuğ

Barbaros Altuğ

Berlin, Deutschland

Zu Gast im LCB:
Januar 2026

Barbaros Altuğ ist ein türkischer Schriftsteller, Journalist und Literaturagent. 2024 erhielt er das Stipendium des Berliner Senats für nicht auf Deutsch schreibende Autor·innen. Drei seiner Bücher erschienen in deutscher Übersetzung im Orlanda Verlag: »Es geht uns hier gut« (Ü: Sabine Adatepe), »Ausländer« (Ü: Johannes Neuner) und »Sticht in meine Seele« (Ü: Johannes Neuner). Sein neuster Roman »Die dunkelste Nacht eines langen Winters« erscheint im September 2026 ebenda.

Von Januar bis Juni 2026 nutzt Barbaros Altuğ einen der Arbeitsräume im Ateliergebäude neben dem Haupthaus des LCB.

Barbaros Altuğ ©Maximilian Gödecke

»Möwen, Wunden und Wir«

Beitrag auf LCB diplomatique, 07.22.22

»Gestern habe ich mich wieder zu diesem Hügel in Lissabon auf den Weg gemacht. Mit Geächze und Gestöhne seinen Anstieg hoch. Der mit der Aussicht wie von Cihangir nach Fındıklı, du verstehst. Die Möwen flogen. Später kam eine, ruhig, wie ein Spatz, beinahe hüpfte sie, ging neben mir her, begleitete mich. Die hiesigen Möwen unterscheiden sich etwas von denen in Istanbul, als ob sie friedlicher seien. Erinnerst du dich an den Sommertag auf der Terrasse meiner Wohnung in Cihangir, als eine von ihnen ein Stück Fisch vom Tisch holen wollte, mir mit dem Schnabel in den Kopf hackte und wir nur unter Mühen nach drinnen entkommen konnten? Wenn ich daran denke, lege ich mir die Hand an den Kopf, die Wunde ist selbstverständlich verheilt, aber wenn es so etwas wie eine Phantomwunde gibt, dann ist sie noch da. Vielleicht ist es mit allen Wunden so, sie verheilen, aber sobald wir an sie denken, erinnern wir uns an die Stellen, die verletzt wurden, und tasten sie ab.«

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