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09.03.20Urmilla Deshpande

Tallahassee rain, humidity, and hurricanes are hard on houses. My window-frames rotted, double panes failed.

Tony the window-installer arrived in a truck with a MAGA sticker. To the dismay of my family who were home for the holidays, I started a conversation with him.

“You gonna watch the debate?” The Democratic debate was the next day.

“Why would I?” Tony said.

“Maybe there’s someone you’d like.”

“Democrats. Not a chance,” he snorted. Then curiosity got the better of his disdain.

“Who’d you have in mind?” he asked me. I heard groans from my family. They’d seen me in action before.

“Bernie isn’t a Democrat. Like your guy wasn’t a Republican. You should give Bernie a listen.”

I had unfair advantage over Tony. He was a contractor working in my house. He couldn’t be rude. I followed him around, talking as he stood on a ladder, when he went out to smoke. The difference between healthcare and insurance, the fact that we already have socialist institutions in our country—public schools, for one, why Bernie was the right choice not just for me, but for him—especially him—poor Tony listened, because he had no choice. Finally he came up with an excuse.

“I can’t watch the debate, it’s on at the same time as Discovery.”

“You watch Star Trek?”

“Always. Love it.”

“So do I,” I said, “But I hate Discovery. Watched season 1, gave up.”

Between measuring, hammering, drilling, he explained why I must give the show another chance. We discussed Klingons, Picard, Voyager, why DS9 was so clever, science fiction in general. He said he had a signed copy of The Martian Chronicles. I gave him my new book. Then I told him Bernie could make the universe like it was in Star Trek. He laughed, but not disdainfully.

As he packed up to leave, we made a deal: I would watch Discovery. He would watch the debate.

In spite of my family laughing at my naiveté, I think the fact that a Trump-supporting white man found common ground with a brown woman he thought was Muslim, (“atheist” I told him) is worth celebrating.

We had gone where no one had gone before.

“Live long and prosper,” I said to him, as he put his toolbox in his truck.

“Peace and long life,” he replied, trying to block his sticker from my view.

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09.03.20Urmilla Deshpande

Tallahassee-Regen, Feuchtigkeit und Hurrikane treffen die Häuser hier schwer. Meine Fensterrahmen sind verfault, da hilft auch keine Zweifachverglasung.

Tony der Fensterbauer traf in einem Truck mit einem Make America Great Again-Aufkleber ein. Zum Entsetzen meiner Familie, die über die Ferien zu Besuch war, begann ich ein Gespräch mit ihm.

„Werden Sie sich die Debatte im Fernsehen anschauen?“ Die TV-Debatte der Demokraten war für den nächsten Tag angesetzt.

„Warum sollte ich?“ sagte Tony.

„Vielleicht gibt es jemanden, den Sie mögen könnten.“

„Bei den Demokraten. Auf keinen Fall,“ schnaubte er. Dann gewann die Neugier die Oberhand über seine Verachtung.

„Wen hatten Sie im Sinn?“ fragte er mich. Ich hörte meine Familie stöhnen. Sie haben mich schon öfter in Aktion gesehen.

„Bernie ist kein Demokrat. Ebenso wenig wie Ihr Mann ein Republikaner war. Sie sollten Bernie anhören.“

Ich hatte einen unlauteren Vorteil gegenüber Tony. Er arbeitete als Dienstleister in meinem Haus. Er durfte nicht unhöflich sein. Ich folgte ihm, erzählte während er auf der Leiter stand, und als er eine rauchen ging: Vom Unterschied zwischen dem Gesundheitssystem und einer Versicherung; von der Tatsache, dass es längst sozialistische Institutionen in unserem Land gibt—vor allem staatliche Schulen; davon, warum Bernie nicht nur für mich, sondern für ihn—besonders für ihn—die richtige Wahl wäre. Der arme Tony hörte zu, weil ihm nichts anderes übrigblieb. Schließlich fiel ihm eine Ausrede ein.

„Ich kann mir die Debatte nicht anschauen, sie läuft zur gleichen Zeit wie Discovery.“

„Sie gucken Star Trek?“

„Schon immer. Ich liebe es.“

„Ich auch,“ sagte ich. „Aber ich hasse Discovery. Ich habe die erste Staffel gesehen und dann aufgegeben.“

Während er ausmaß, hämmerte und bohrte, erklärte er warum ich der Serie noch eine Chance geben sollte. Wir sprachen über Klingonen, Picard, die Voyager, warum Deep Space Nine so scharfsinnig war, und über Science-Fiction im Allgemeinen. Er erzählte, er habe eine signierte Ausgabe der »Mars-Chroniken«. Ich schenkte ihm mein neues Buch. Dann sagte ich ihm, dass Bernie das Universum wie jenes in Star Trek gestalten könnte. Er lachte, aber nicht verächtlich.

Als er seine Sachen zusammenpackte, um sich auf den Weg zu machen, trafen wir eine Vereinbarung: Ich würde Discovery schauen. Und er die Debatte.

Obwohl meine Familie sich über meine Naivität lustig machte, glaube ich, dass es ein kleiner Sieg ist, wenn ein Trump-unterstützender, weißer Mann und eine „brown woman“, von der er dachte, sie wäre Muslima („Atheistin,“ sagte ich ihm), einen gemeinsamen Nenner finden.

Wir hatten Neuland betreten.

„Lebe lang und in Frieden,“ sagte ich zu ihm, als er seine Werkzeugkiste in seinen Truck lud.

„Langes Leben und Frieden,“ antwortete er, wobei er versuchte, seinen Aufkleber vor mir zu verstecken.

Übersetzung: Juliane Schallau

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Urmilla Deshpande

Urmilla Deshpande’s works include novels “A Pack of Lies and Kashmir Blues”, short story collections “Slither” and “Body and Blood”. She has received a Crossing Borders/Robert Bosch Stiftung grant to do research for her current project, a novel based on her grandmother, anthropologist Irawati Karve. The novel is set in Berlin in the 1920s where Irawati did her PhD.

Urmilla Deshpande, geboren 1963 in den USA, ist eine indische Schriftstellerin und wissenschaftliche Redakteurin. Zu ihren Veröffentlichungen zählen die Romane »A Pack of Lies« (2009), »Kashmir Blues« (2010) und »Equal to Angels« (2017) sowie die Erzählbände »Slither: Carnal Prose« (2012) und »Body and Blood« (2019). Sie lebt und schreibt in Tallahassee, USA, und wurde durch das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung gefördert.

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